Erster Abschnitt
As war am 17. Juli 1887, morgens mit dem Glockenschlage acht, als ich von der Landungsbrücke in Hamburg auf ein kleines Dampfbot stieg, das mich und noch einige Reisende in weniger denn zwei Stunden zu der auf der Unter-Elbe liegenden „Erna Wörmann" trug, einem gutgebauten, zwar kleinen, aber freundlichen Dampfer der Wörmann-Linie. Nach Westafrika fuhren von Europa aus zwei Hauptlinicn: die vereinigten Liverpooler, welche allwöchentlich einen Dampfer von dort und allmonatlich einen von Hamburg aus abfertigen, und die Wörmann-Linie, deren Böte regelmäßig zweimal monatlich, Mitte und Ende, von Hamburg auskaufen. Aus den paar Segelschiffen, die der alte Wör- mann nach Afrika gehen ließ, hat sich unter der Leitung seines Sohnes, ohne Subvention, eine Dampserlinie entwickelt, deren Flotte letzt neun stattliche, durchweg eiserne und stählerne Dampfer zählt: „Karl", „Adolf", „Professor", „Gertrud", „Ella", „Erna", „Anna Wörmann", „Luln Bohlen" und die neuerbaute „Marie Wörmaun", welch letztere der „Adolf Wörmann", mit dem ich im October heimgereist bin, in Monrovia auf ihrer ersten Ausreise mit Kanonenschuss und Feuerwerk begrüßte. Die „Aline Wörmann" wurde 1884 im Sturm an der holländischen Küste von den Wogen verschlungen: wie, das deckt der gleichmäßig weitergehende Schlag der Wellen für ewig zu; denn niemand wurde gerettet; und an der Küste von Liberia, am Kap Palmas, hart unter Nachtigal's Grab, liegt als trübe Erinnerung an die alte Zeit das Wrack eines Wörmann'schen Seglers, bis auf das letzte loSbrechbare und tragbare Stück ausgeplündert von den Bewohnern der freien Negerrepublik Liberia.
Bei der Worinann'schen Linie unterscheidet man die „Norddampfer", welche, stets um die Mitte des Monats auskaufend, bis LagoS gehen, und die „Süddampfer", deren Ziel St. Paulo de Loanda, an der portugiesischen Südwestküste, ist. Beide Linien laufen bis LagoS hin fast immer dieselben Plätze an, beide haben völlig