Vchluß.
Die Erkenntnis dessen, welch bedrohlichen Zuwachs Frankreich in einem französischen Marokko erlangen würde, was dagegen wir durch Aufgabe unserer Rechte und Wirtschaftsinteressen einbüßen müßten, hat allen vorgeschwebt, die sich in früheren Jahren, besonders zur Zeit der Algeciraskonferenz und des Novemberabkommens mit der Frage: Marokko deutsch? beschäftigt haben. Ihnen dünkten die frechen Herausforderungen Frankreichs für unser Prestige unerträglich. Sie sahen in der Tunifizierung des Scherifenreiches eine Schädigung unseres Handels und darüber hinaus unserer wirtschaftlichen Zukunft.
Was damals einen kleineren Kreis beschäftigte, und allen, denen die Möglichkeit eines Zusammenlebens mit Frankreich nur allzu bereitwillig genährte Hoffnung war, als Ausfluß eines übertriebenen Nationalgefühles galt, ist heute zu einer der wichtigsten Fragen geworden, die zu lösen sind, wenn es gilt, das Fazit eines jahrelangen Kampfes zu ziehen.
Die Weltkatastrophe hat uns Erkenntnisse gebracht, für die wir blutiges Lehrgeld haben zahlen müssen. In Frankreich, das den Krieg zum Grabe der Humanität gemacht, haben wir unseren brutalsten Gegner erkannt, und gerade Frankreich gegenüber haben wir alle Sentimentalitäten verlernt. Der Haß gegen Deutschland ist die Seele der französischen Politik. Grenzenlosen Vernichtungswillen spricht jedes Wort, atmet jede Tat. Nicht allen von uns wird es möglich sein, den grenzenlosen Haß des Feindes zu erwidern, doch alle sind wirRealpolitiker geworden, und es ist keiner unter uns, der nicht an Gut und Blut Frankreichs Revanche zum Opfer gefallen ist, keiner unter uns, der nicht mit allen Mitteln die Sicherung unserer Zukunft vor diesem Feinde wünschte.
Wir wissen heute, daß wir gegen ein koloniales Frankreich kämpfen, daß es vergebliches Bemühen war, Frankreichs Rache-
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