VI.
Marokko als französische Kolonie.
Weit mehr als nur eine halbe Million (ssrm afrikanischen Landes würde Frankreich mit Marokko seinem Kolonialbesitz einverleiben. Weltpolitische, wirtschaftliche, vor allem aber militärische Vorteile würde die Republik durch die völlige An- gliederung des Scherisenreiches erringen, die ihrer Position als Weltmacht einen unerträglichen Machtzuwachs sicherten.
Wir haben schon betont, daß die Ecklage an der äußersten Nordwestspitze Afrikas dem Lande den Charakter eines weltpolitischen Faktors ersten Ranges verleiht. Von dort lassen sich die wichtigsten Nerven des Seeverkehrs beherrschen. In Marokko würde Frankreich die Schwelle besetzt halten, über welche für die südliche Halbkugel und den Orient der Weg nach Europa führt. Die Besitzergreifung der Nordküste würde eine weitere Phase der Entwicklung des Mittelmeeres zu einem französischen Binnensee darstellen. Der Angelpunkt über die Vorherrschaft im Mittelmeer käme mit Marokko in Frankreichs Hand. Frankreich würde den Zugang zum Suezkanal und damit den Seeweg nach der afrikanischen Ostküste, Indien und dem fernen Orient von dort besser beherrschen, als England es von Gibraltar aus vermag. Aber auch die atlantische Küste bietet großartige Machtmittel. Flottenstützpunkte und befestigte Etappenstationen — in Agadir wurde während des Krieges schon mit der Errichtung von Kohlendepots begonnen — würden der Republik die Beherrschung des Seeweges nach Südamerika, Mittelamerika, West- und Südafrika ermöglichen!
Marokko als französische Kolonie würde fernex den Schlußstein des nordafrikanischen Baues bilden und damit von der tripoli- tanischen Grenze bis zum Atlantik Frankreich die gesicherte Herrschaft über eine kompakte Masse verleihen, die ein ge-
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