Druckschrift 
Die Zukunft in Marokko / von Bernhard Stichel
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

I.

Einleitung.

Einer unserer besten Kenner Frankreichs, den, wie so viele andere Deutsche, bei Kriegsausbruch der wildauflodernde Nationalhaß der Franzosen zwang, in überstürzter Flucht das Land zu verlassen, in dem er seit Jahrzehnten einen Wirkungs­kreis gefunden, faßte in einer Studie über das schwierige Gebiet der Völkerpsychologie unser Verhältnis zu Frankreich, vom Gefühlsstandpunkt aus betrachtet, dahin zusammen, daß manche von uns es geliebt, viele von uns es geachtet haben. Auf das Gebiet politischer Erwägungen übertragen, äußerten sich diese Sympathien in dem Glauben an die Möglichkeit einer An­näherung zweier Völker, deren wirtschaftliche und politische Interessen an sich in keinem vitalen Gegensatz zueinander stehen, die berufen scheinen, in glücklicher Ergänzung ver­schiedener Fähigkeiten die Welt zu befruchten.

Nur so ist es verständlich, daß die Auffassung von unserem leidenschaftlichsten Gegner als beklagenswertes Opfer Englands, seines stärkeren und falschen Freundes, der nur beseitigt werden müsse, um ein freundschaftliches Verhältnis mit unserem Nachbarn zu ermöglichen, sich noch in die jüngste Kriegszeit hinübergerettet hat.

Es muß für Jllusionspolitiker zu den schmerzhaftesten, aber heilsamsten Lehren des Weltkrieges gehören, daß diese Wertung der Dinge sich als bedrohlicher Irrtum herausgestellt hat.

Die Kriegsereignisse haben das Bild von dem klar denkenden, logischen und ritterlichen Frankreich, mit dem ein dauerndes, friedliches Verhältnis möglich sei, zur Unkenntlichkeit ver­wischt.

Sie haben gezeigt, daß sich hinter einer phrasenvergoldeten Form ein Inhalt birgt, der uns wesensfremd ist. Ein blinder

8