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Die Zukunft in Marokko / von Bernhard Stichel
Entstehung
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III.

Unsere Interessen in Marokko.

Durch Jahrhunderte hindurch hat das Scherifenrcich es ver­standen, sich erfolgreich gegen die Kulturwelt abzuschließen und in eine neue Zeit, die auch den übrigen Orient nicht unberührt ließ, sein mittelalterliches Dasein hinüberzuretten. Bis zur zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts blieben die Be­ziehungen Marokkos zu Europa ephemerer Natur und beschränk­ten sich auf die Abwehr gelegentlicher kriegerischer Unternehmungen, Vorstöße und Besetzungen seiner Küsten und Grenzgebiete seitens Portugals, Spaniens, Englands und Frankreichs, die jedoch nur seine Peripherie berührten, ohne die politische Selb­ständigkeit des Landes ernstlich oder dauernd bedrohen zu können.

Auch die Handelsbeziehungen Marokkos zu den europäischen Mächten waren bis in jene Zeit nur vorübergehender Art.

Die christenfeindliche Gesinnung der Bevölkerung, das Piratcn- unwesen der seeräuberischen Küstenbewohner, denen u. a. 1856 auch die von dem Prinzen Adalbert von Preußen befehligte Korvette Danzig zum Opfer fiel, behinderten geregelte Beziehun­gen. Immerhin gelang es italienischen, französischen, englischen, hanseatischen und preußischen Kaufleuten, Handelsverbindungen herzustellen. 178z ernannte der König von Preußen einen preußischen Konsul am Sultanshof, 1825 schloß Marokko einen Handelsvertrag mit Sardinien ab, i8zo mit Österreich, 18^4 und i8z6 mit Sizilien und den Vereinigten Staaten.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die kriegerische Verwicklungen mit Spanien und Frankreich bringt, fassen die Handelspioniere Englands, Frankreichs, Deutschlands und Spa­niens, angelockt durch die reichen Zukunftsaussichten, allmählich festen Fuß.

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