V orbemerkung.
Auf Anregung des Verfassers haben einige Kolonialfreunde die Mittel für Druck und Versand dieser Schrift zusammengebracht. Unter allen Kolonieen ist Kamerun die am meisten vernachlässigte; das Verkehrswesen liegt hoffnungslos danieder. So soll denn diese Schrift, um auf die unhaltbare Lage des so aussichtsreichen Schutzgebiets nachdrücklich aufmerksam zu machen, dem Reichstage, der großen Presse, den Behörden und Handelskammern überreicht werden.
Der Verfasser hat im ablaufenden Jahre Kamerun durchquert; er glaubt bewiesen zu haben, daß er kein kritikloser Kolonialschwärmer ist. An dem heilsamen Grundsatz, daß keine Bahnen gebaut werden, für welche die Kolonien nicht selber die Mittel aufbringen können, muß festgehalten werden. Kamerun ist aber eine so reiche Kolonie, und im Süden des Schutzgebiets, das der Verfasser kennt, liegen so große Transportmengen .im wahren Sinne des Wortes auf den Straßen, daß nur bedauerliche Unkenntnis der wirtschaftlichen und finanziellen Fragen der Kolonie das Verkehrsnetz vorenthalten kann, dessen sie bedarf. Es widerspricht allen Grundsätzen einer gesunden Finanzpolitik, Kamerun noch weiter zu mißhandeln.
Diese Schrift will sich auch an die Interessenten wenden, deren sich kreuzende Auffassungen und ihre laute Bekundung viel zum Wirrwar in der Kameruner Verkehrsfrage beigetragen haben. Es zeigt sich deutlich, daß sich und allen schadet, wer zu hart seinen eigenen Standpunkt verficht. In der Unterordnung unter große Gesichtspunkte findet der einzelne seinen Nutzen am sichersten.
Berlin, Anfang Dezember 1912.
Der Verfasser.
Zimmermann, Eine vernachlässigte Kolonie.
2