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Das Museum für Völkerkunde.
Als bei jenem feierlichen Weiheakte, am 18. Dezember 1886, unter höchstem Protektorate die Männer des Staates, der Wissenschaft und Kunst in dem Lichthofe des Museums für Völkerkunde vereinigt waren, um dasselbe fortan dem Gebrauche des Publikums zu übergeben, kamen in den damals gesprochenen Worten diejenigen Ziele zum Ausdruck, denen dieser Prachtbau gewidmet sein würde. Wie die Ethnologie, ist das für sie bestimmte Museum ein Kind unserer Zeit, neu noch und jung, aber vollkräftig bereits geboren, weil durch die Zeitbedürfnisse selbst in's Leben gerufen und durch ihre Stimme verlangt.
Was bei der Begründung dieses Staats - Institutes bedingend mitgewirkt hat, führt zurück auf den in unserer Gegenwart mächtig schaltenden Faktor, der hinaustreibt in die große Welt. die auf der Erdenweite gebreitet liegt, der den Blick erweitert in wissenschaftlicher Umschau, der im internationalen Verkehr zugleich die Nationen aneinnnderknüpft, um die Weltgeschichte wie bisher verstanden, umzugestalten zu einer Geschichte des Menschengeschlechtes (im humanistischen Sinn).
Interessen tiefgreifend praktischer Bedeutung sind es, um die es sich handelt in Handel und Wandel, in dem Welthandel sowohl, wie in kolonialen Beziehungen und Berührungen mannigfacher Art.
Bei der Verschiedenartigkeit solcher Zeit- und Streitfragen kommt das Bedürfniß zur Geltung, die entsprechenden Vorkehrungen getroffen zu sehen, um wissenschaftliche Hilfsapparte zu beschaffen für geeignete Auskunft beim Auftreten von Kontroversen, um Mißgriffe zu vermeiden oder schädlichen Folgen derselben vorzubeugen.
Wenn von Europa, als dem weltgeschichtlichen Kontinent, abgesehen wird, erheben vier große Kontinente Anspruch darauf, in den ethnologischen Aluseen ihre Vertretung zu finden, für die Volkskreise, die sie bewohnen. Den begründetsten diejenigen, welche, auf dem Zustande der Unkultur verblieben, noch nicht zur Schrifterfindung fortgeschritten sind, indem gerade solch' tiefstehende Organismen instruktive Beobachtungsobjekte bilden, vom naturwissenschaftlichen Standpunkt, wie aus den in Botanik und Zoologie vorliegenden Erfahrungen genugsam bewiesen ist. Was also hier in der genaueren Kenntniß von Pflanzen und Thieren vollberechtigter Weise ge-
auf seinen Consnlar-Posten eröffnet sich Aussicht auf weitere Bereicherung unserer ethnologische» Kenntnisse, welchen sich derselbe bei seinem ersten Aufenthalte eingehend bereits zugewandt hatte. Ueber die Sendung Steinberger's (unter Grant'S Präsidentschaft) findet sich Näheres in der amerikanischen Zeitschrift: dlation"
(Februar, 1889, No. 1232.)