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Das neue Südafrika / Paul Samassa
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Friede oder Waffenstillstand?

Fragen zu suchen, die sich jedem aufdrängen, der denkend die politischen Zustände anderer Länder zu betrachten pflegt. Wenn ich im folgenden kurz diese südafrikanischen Probleme durchgehe, so wird es mir nicht schwer fallen, zu zeigen, daß es kaum eines gibt, daß nicht auch in irgend einer Weise deutsche Interessen berührt.

Der Krieg, der mit dem Frieden von Vereeniging sein Ende fand, war nicht der erste Kampf zwischen Buren und Briten in Südafrika. Schon einmal hatte ein britischer Statthalter Ende der 70 er Jahre in Pretoria gesessen, Sir Theophilus Shepstone, und die Buren, die dieses Ereignis zunächst in Ruhe hinzunehmen schienen, hatten dann zu den Waffen gegriffen, die bei Majuba zu ihren Gunsten entschieden. Freilich hat England es damals nicht auf eine wirkliche Kraftprobe ankommen lassen, und das Ministerium Gladstone machte dem bösen Händel, den es als Erbschaft des konservativen Kabinetts übernommen hatte, durch einen für die Buren annehm­baren Frieden ein Ende. Hat die heutige Lage mit der von damals irgend eine Ähnlichkeit? Es leuchtet ein, daß das Burentum nach den Verlusten des letzten Krieges in ganz anderem Maße geschwächt sein muß, als es zu jener Zeit war, und daß andererseits keine Partei in England es jemals wagen könnte, nach den schweren Opfern an Gut und Blut, mit denen England den Besitz der Burenstaaten erkauft hat, diese Beute so leichten Kaufes wieder fahren zu lassen, wie dies die liberale Partei nach Majuba getan hatte. Trotzdem wurden bald nach dem Friedensschlüsse Stimmen laut, auch dies wäre nur ein Waffenstillstand undbald" ginge es wieder los; und eine Äußerung, wie sie seitens des Buren­generals Beyers kürzlich fiel, wenn die Engländer es in