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Die französischen Kolonialbanken / von Otto Soltau
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2. Kapitel.

§ 2 -

Die Zeit nach der Sklavenbefreiung.

Mit der Sklavenbefreiung trat an Stelle des Ar­beitszwanges der freie Arbeitsvertrag. Das hatte zwei bedeutsame Folgen: erstens musste der Pflanzer fortab

regelmässig den Lolin in Geld zahlen, während bislang der Neger in natura allgelohnt worden war; zweitens wurde es sehr schwierig und kostspielig, die zum Betriebe der Pflan­zungen nötige Zahl von Arbeitern herbei zu schaffen, da die Neger sich nur äusserst langsam daran gewöhnten, freiwillig, d. h. ohne Zwang, zu arbeiten. Der Übergang von dem Ar­beitszwange zur freien Arbeit vollzog sich in Reunion, wo die Sklaven stets gut behandelt waren, 1 ) leichter als in den Antillen oder in Guyane. So verschieden sich aber auch die Arbeiterfrage in den einzelnen französischen Kolonien stellte, überall wurde dieEinfuhr fremder Arbeiter (Neger oderChinesen) sowie die Gründung eines Lohnfonds nötig. Die Notwendig­keit regelmässig Lohn zu zahlen, steigerte natürlich den Geld­bedarf der Pflanzer beträchtlich. Andererseits verursachte die Beschaffung der nötigen Arbeitskräfte solche Mehrausgaben, dass für den Pflanzer der bislang an den Kommissionär ge­zahlte Zins von geradezu wucherischer Höhe absolut un­erschwinglich wurde. Der Fortbestand der Pflanzungen war bedroht, wenn es den Pflanzern nicht gelang, billigeren Kredit in ausreichendem Masse zu erhalten.

Aber wer sollte ihnen diesen Kredit gewähren? Da viele Pflanzer aus Mangel an Arbeitskräften den Betrieb ihrer Pflan­zungen einstellen mussten und da anderen Pflanzern dasselbe Schicksal drohte, so waren die Kommissionäre, die bislang in der Hauptsache ja den Agrarkredit gewährt oder vermittelt hatten, jetzt erst recht nicht geneigt und vielleicht auch gar nicht in der Lage, den Leihzinsfuss für ihre Darlehen zu er- mässigen. Der Leihzins war deshalb so hoch, weil meist zwei

') Girault a. a. 0. S. 28^.. f.

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