I.
Im zentralen Afrika liegt das mächtige Strombecken des Kongo, des größten des ganzen Erdteiles, ein Areal von tiber 37s Million Quadratkilometer einnehmend — und volle zwei Dritteile desselben umfaßt die Kolonie Belgisch-Kongo, die somit eine geographische Einheit im idealsten Sinne des Wortes darstellt.
Bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts war von dem Stromgebiet des Kongo nichts als dessen Mündung ins Meer bekannt und erst im Jahre 1816 brachte die unheilvolle Expedition des englischen Forschers Tuckey die ersten Nachrichten über den unteren Lauf des Kongo. Dann verfiel das ganze äquatoriale Westafrika wieder in völliges Dunkel, das erst durch die Initiative König Leopolds II. von Belgien, der schon immer ein hohes Interesse für die Erforschung des schwarzen Erdteils bewiesen hatte, gelichtet wurde.
Schon im Jahre 1861 erschien eine Schrift König Leopolds, betitelt: „Die Vollendung des Werkes von 1830“, in welcher der König — unter Hinweis auf die großen noch unerforschten und herrenlosen Gebiete des afrikanischen Kontinents — die Notwendigkeit der Erwerbung belgischer Kolonien begründete, um Belgien den Anteil am Kolonialhandel wiedergewinnen zu lassen, den es in Niederländisch-Indien seit der Unabhängigkeitserklärung und Trennung von Holland verloren hatte.
Im September 1876 erfolgte in Brüssel auf Veranlassung des Königs die Bildung der „Internationalen Afrikanischen Vereinigung“, eine Gesellschaft der angesehensten Geographen und Reisenden Europas mit dem Zwecke, Zentralafrika zu