4e nächste Veranlassung zu der Besitzergreifung eines bisher fast unbekannt gebliebenen Stückes chinesi schen Gebietes ist die Ermordung zlveier deutscher Missionare anS der Gesellschaft deS göttlichen Wortes whantnng gewesen. Aber die wahre Ursache für diesen überraschenden Schritt unserer Negiern»g war die Beobachtung, das; nach Beendigung des chinesisch- japanischen KriegeS verschiedene in Sstasien interessierte Ri ächte anS der Ent Wicklung der dortigen Verhältnisse Vorteile für sich zu erringen verstanden, welche aus die Dauer die Interessen Deutschlands hätten gefährden können. Namentlich waren Frankreich und Rußland eifrig bemüht, die Lage der chinesischen Regierung und daS Bedürfnis derselben nach politischer und
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.na bliebe», Schantnng z».
denselben dem Drängen der anderen Mächte gegenüber die ihnen gebüh rende Gleichberechtigung zu sichern. Diese Frage muhte verneint werden, und als Vorstellungen bei der chinesischen Regierung ohne griff es aus Anlas; der Ermordung deutscher Missionare in Deutschland forderte nicht allein die sofortige strengste Sühne für das Ver brechen, sondern ergriff mit kühner und starker Hand die Gelegenheit znr Beschleunigung der mit Ehina bestehenden Verhandlungen durch Besetzung der Bucht von Kiantschvn. Die Bucht liegt in der Provinz Schantnng auf 300 Z/ n Br., 12«> Seemeilen westlich von der Schiffahrtsstraße Schanghai
Aapitän z. S. Aarl Gbbe Ludwig Rosendahl, der erste Gouverneur von Aiautschou.
Dcr erste Gonvcriimr von Kicmtschon ist cun 2. September 1802 zn Schleswig geboren, wurde 187«, an Nord dcr Fregatte „Elisabeth" zmn Leutnant z. S. und 1800 zmn Korvettenkapitän befördert. Er wurde durch Verordnung vom 7. März 1808 zum Gouverneur des Kiantschon- gebietes ernannt und wirkte in verdienstvollster Weise, bis er im Januar 1899 durch Kapitän z. S. Jaeschke abgelöst wurde.
materieller Unterstützung in ihrem eigenen Interesse auszunutzen. An Deutschland trat daher die Frage heran, ob seine Stellung in Dstasien ihm nicht allein die dort sehr beträchtlichen deutschen kommerziellen und industriellen Interessen zn schützen ermögliche, sondern auch, ob es im stände sein werde,
Schantnng und 390 Seemeilen nördlich von Schanghai; die Ehinese» hatten sie während des letzten Krieges mit Japan teilweise befestigt.
Die Besitzergreifung fand am 14. November 1897 durch die Truppen des ostasiatischen Geschwaders unter dem Vizeadmiral v. Diederichs statt. Ein gemeinsames LandnngSkorPs von 500 Mann wurde nebst drei Bootsgeschützen ausgeschifft, besetzte in schneidiger Weise die die verschiedenen Lager beherrschenden Höhen, und der chinesische General Shang muhte sich in das Unvermeidliche fügen und mit seinen Truppen aus den Lagern abziehen, welche von unserer Marine besetzt wurden.
Durch Kaiserliche Verordnung vom 27. April 1898 wurde das an der Kiantschonbncht belegcnc Gebiet, welches durch den am 0. März 1898 zwischen dcr deutschen und der chinesischen Regierung zn Peking geschlossenen Pachtvertrag auf 99 Jahre in
deutschen Besitz übergegangen ist, im Namen des Reiches unter Kaiserlichen Schutz gestellt.
Nach diesem Vertrage umsaht das Schutzgebiet folgende Ge bietsteile: 1. an der
en Seite
des Eingangs znr Bucht: die Landzunge, abgegrenzt nach Nordosten durch eine von der nordöstlichen Ecke von Potato-Island nach Loshang-Harbonr gezogene Linie;
2. an der südlichen Seite des Eingangs znr Bucht die Landzunge, abgegrenzt nach Südwesten durch eine von dem südwestlichsten Punkte der südsüdwestlich von Chiposan-Island befindlichen Einbuchtung in der Richtung auf Tolosan-Island gezogene Linie;
3. die Inseln Ehiposan- und Po- tato-Jsland; 4. die gesamte Wasserfläche der Bucht bis znm höchsten derzeitigen Wasserstande; 5. sämtliche der Kiantschonbncht vorgelagerten und für deren Vertei dignng von der Secseite in Betracht kommenden Inseln, namentlich
General von Tsining.