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Die deutschen Kolonien in Wort und Bild : Geschichte, Länder- und Völkerkunde, Tier- und Pflanzenwelt, Handels- und Wirtschaftsverhältnisse der Schutzgebiete des Deutschen Reiches / von Gustav Meinecke
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Togo.

Äls die Engländer im Jahre 1872 nin Preis alle holländischen Besitzungen an der Gold- lind Sklavenküste übernahmen, war dort seit einer Reihe von Jahren schon die Norddeutsche Missionsgesellschaft thätig, welche sich 1859 von der Voltamündnng aus Eingang in das Hinterland der heutigen Togokolonie verschafft hatte. Erst im Jahre 1880 entstand die erste deutsche Faktorei in Kleinpopo, an der alten, berüch­tigten Sklavenknste. Unsere Regierung wurde durch hanseatische Kaufleute, welche in Groß- und Kleinpopo, Bagida und Weidah gute Handelsgeschäfte machten und neben englischen und ftanzösischen Kaufleuten thätig waren, auf den Wert des heutigen Togo als Faktorei- kolonie aufmerksam gemacht. Zu dieser Feit hatte England auch in Lagos Fuß gefaßt und sich der Nigermündung bemächtigt, wäh­rend Frankreich sich in Porto-Novo festgesetzt hatte. Die unter diesen Verhältnissen über­raschenden Flaggenheißnngen, welche Deutsch­land im Jahre 1884 an der Sklavenknste vornehmen ließ, waren von verblüffender Wir knng, und durch ungezählte Flaggenheißnngen ihrerseits suchten nun Engländer und Fran­zosen die werdende Kolonialmacht Deutschland, die plötzlich als Eindringling in ihr altes Kolonialgebiet erschien, zu übertrumpfen. Es kam infolgedessen zu diplomatischen Ansein andersetzungen bezüglich der Rechtmäßigkeit der vorgenommenen Besitzergreifungen, deren Ergebnis für uns der Zuspruch des 54 üi» langen Küstenstreifens war, welcher noch heute die Togoküste bildet. Für unsere wettern Be­strebungen hier war es sehr günstig, daß der Begriff derHintcrlandtheorie" von uns auf­gebracht wurde, wonach der Staat, welcher an einer afrikanischen Küste festen Fuß ge­faßt hatte, auch Anrecht auf so viel Hinter­land besitzen sollte, als zur Entwicklung und Bildung einer in sich abgeschlossenen Kolonie notwendig war, denn unsere Expeditionen griffen möglichst weit in das Innere hinein.

Es folgte schließlich im Jahre 1890 eine neue Abmachung mit England, im Jahre 1897

mit Frankreich, so daß mit Ausnahme der Regulierung einer zwischen Eng­land cmd Deutschland neutral gebliebenen Zone die Abgrenzung nach dem Hinterland vollendet ist. An dem Ergebnis, daß nämlich die Togokolonie zu dem Range einer Küstenkolonie herabgedrückt ist, wird auch die noch ans-

Aöhler, Gouverneur von Togo.

Der jetzige Gouverneur war als Negieruugsassessor bis zu seiner im Februar 1891 erfolgten Uebernahme in das Auswärtige Amt bei der Direktion der direkten Steuern in Berlin beschäftigt. Im Juli 1891 wurde er dem kaiserlichen Kommissar v. Franeois in Südwestafrika als NechtS- beistand zugeteilt und verblieb in jenem Schutzgebiet bis zum April 18!)l. Im Frühjahr 1895 erfolgte seine Entsendung nach Togo und im Oktober desselben Jahres seine Ernennung zuni kaiserlichen Landeshauptmann daselbst.

stehende letzte Abmachung wenig ändern, aber ein Blick aus die Karte lehrt, daß wir uns in Togo infolge der Abwesenheit eines natürlichen Ver kehrsweges inS Innere von vornherein in einer schwierigen Lage befanden.

Landeskunde. Die Lage des Schutzgebietes zwischen dem 0. und II. Grade Nord breite und 0. bis 2. Grade östlicher Länge bedingt ein aus gesprochen tropisches Klima. Das Innere des Landes wird in der Richtung von Nord oft nach Südwest von zerrissenen Gebirgsmassen durchzogen, welche sich in ihren südlichen Ausläufern der Küste bis auf >50 l<»i nähern. Von der See aus gesehen, gewährt die flache, sandige Küste einen eintönigen, tröst losen Anblick, der nur durch die schmucke» Küstenplätze mit den weiß an gestrichenen, durch das Grün stattlicher Palmen hindurch sichtbaren Faktoreien der Europäer eine wohlthuende Abwechslung erfährt. Hinter dem schmale»,

sandigen Küstensanm trifft man nach Passieren der Lagunen bezw. nach halbstündigem Marsche bald auf festen Lateritboden, der den Haupt bestandteil der Küstenebene bildet. Der Laterit ist ein roter Boden, welcher aus der Ver Witterung von Gneis und Granit, dem Grund stock des Kernes von Afrika, entsteht, stark eisenhaltig und je nach dem Grad der Ver Witterung, Zusammensetzung n. s. w. mehr oder minder fruchtbar ist. Die Küstenebene steigt ganz allmählich in langen, flachen Wellen zum Fuße des Gebirges an. Das Gebirge hat eine mittlere Höhe von 000 ,» und ist seiner Entstehung nach, geologisch betrachtet, Bruch gebirge. Es besteht im wesentlichen aus Saar zit uud Schiefer, auch Granit kommt vor. Die höchste Erhebung, 1840 in, findet sich bei Station M'isahöhe. Das Gebirge bildet die Wasserscheide zwischen den Grenzflüssen Volta und Mono, ferner dem Niger und Volta, seine Abhänge sind überall mit präch tigem Hochwald bestanden, der besonders am Fuße der Gebirge und in den Gebirgsthälern von großartiger Schönheit ist. Nördlich des Breitenparalleles von Kratscht ändert die Landschaft den Eharakter, die Hochebenen wei­den ausgedehnter, der Hochwald wird in dem Maße, wie der Reichtum an Wasser ab nimmt, durch die Grassavannen ersetzt, die zahlreichen Rinder und Schafherden eine gute Weide liefern. Die Flüsse Haho und Sio sind von geringerer Bedeutung, dagegen sind der Volta und Monvflnß für Kahne auf längere Strecken schiffbar und bieten billige Transportmit tel; den Volta aufwärts wird voruehmlich Salz transportiert, welches an der Voltamündnng im englischen Addah und Kitta znr Trockenzeit aus deu

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