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^ ie Geschichte der Erwerbung haben wir schon oben klirz mitgeteilt: als k>r. Peters im Februar deS Jahres 1885 nach Deutschland zurückkehrte, konnte er befriedigt aus die Erfolge zurückblicken. Wenn auch die öffent liche Meinung über die Tragweite der Erwerbungen anseinanderging, so setzte doch die sich bald bildende Deutsch-ostafritanische Gesellschaft mit großer Energie seine Arbeiten fort, das ostafrikanische.^olonialunternehmen zu finanzieren und etwaigen Versuchen des Sultans von Sansibar und der Engländer, auf dem Festlande Gebiete zu erwerben, zuvorzukommen. Das grosse ostafrikanische Gebiet, welches mit einem Male für um:- in den Vordergrund gerückt wurde, mit seinen wenig bekannten Landschaften und Völkern, seiner cigentümkichcn Entwickelung und Geschichte, war schon seit Jahrhunderten von verschiedenen Völkern heiß umstritten gewesen. Das; bereits die alten Aegppter und später die Phönizier bis nach der Insel Sansibar und weiter darüber hinaus nach Lüden gekommen, ist wahrscheinlich, jedenfalls hatten aber die Araber und Perser frühzeitig die Wichtigkeit dieses Küstengebiets gesehen und an geeigneten Punkten reiche und blühende Niederlassungen gegründet. Lie erfreuten sich jahrhundertelang ihres Besitzes. bis Vasco da Gama aus der Luche nach Du indien diese Länder für Europa entdeckte lind durch das überlegene kriege rische Geschick seiner Truppen die Anssenponen der arabischen Civilisation angriff und unterwarf. Von Mozam- bique bis hinauf nach dem Lomali- landc errichteten die Portugiesen aus den Ruinen der arabischen Befestigungen ihre gewaltigen heute noch Erstaunen erweckenden Forts, das >kreuz hatte über den Halbmond gesiegt. Aber das damals noch mächtige Portugal trug bereits den Äeim des Zerfalls in sich. Die koloniale Ausdehnung stand nicht im Verhältnis zu seiner sstran. die immer mehr ein
reihende Ausbeutung der Eingeborenen weckte den Widerstand, welcher um so heftiger wurde, je weniger Portugal in der Lage war, Menschen und Schisse anfzntreiben. Ende des 17. Jahrhunderts begann von Maskat her der grohe Vorstoh der Araber, der Fall von MombaS wurde überall das Signal zur Vertreibung der Portugiesen aus den übrigen Plätzen des Schutzgebietes, und ihre Macht war damit gebrochen. Ant der Zeit hatte sich aber hier, be sonders durch die Bemühungen für Unterdrückung des Sklavenhandels über See, ein
gewisser englischer Einfluß geltend gemacht, welcher alle.chebel ansetzte, um die deutjche» Bemühungen zunichte zu machen. Um den Sultan von Sansibar Said Bargasch gebührende Achtung beizubringen, wurde im Sommer 1885 ein deutsches Geschwader nach Sansibar beordert, dessen Uommodore Paschen die deutschen Forderungen durch Ueberreichnng eines Ultimatums durchsetzte. Die weiteren Verhandlungen verschafften dem Deutschen Reiche das Benutzungsrecht des Hafens von Dar-es-Salaam, jedoch mit Wahrung der Hoheitsrechte des Sultans. Am 29. Oktober bezw. 1. November 1886 wurde ein Abkommen mit England abgeschlossen, wodurch die Souveränität des Sultans von Sansibar über die Inseln und über die Uüste in einer Tiefe von zehn Seemeilen anerkannt lind eine Trennung der Interessensphären vorgenommen wurde. Die Deutsch ostasrika- nische Gesellschaft hatte mittlerweile mit dem Sultan einen Vertrag über die U üstenverwaltnng abgeschlossen, welcher das Signal zu einer offenen Empörung wurde. Es gelang dem Reichskommissar. dem damaligen Prc- mierlentnant Wihmann, den Aufstand mit großer Energie und Geschick niederzuschlagen. und am I. Juli 1890 kam der Vertrag mit England zustande, welcher dem Schutzgebiet die hellte noch festliegenden Grenzen gab lind lins Helgoland verschaffte.
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Generalmajor kriebert, Gouverneur von Deutsch-Gftafrika.
Der jetzige Generalmajor Lieber! wurde bereits im Jahre 1966 im jugendlichen Alter wegen Auszeichnung vor dem stcind zum Sekondeleutnant befördert und machte bei den, .'»8. Infanterieregiment den Krieg von 1876/71 mit. Im Jahre 1881 wurde er in den großen Gencralnab versetzt. Seit dem Iabrc 1891 war er Oberst und Kommandeur des Grenadierregiments Prinz Carl von Preußen und wurde im Herbst 1886 zum Gouverneur von Ostairika ernannt. Ter Kolouialbcwegung hat er stets ein lebhaftes Interesse entgegengebracht und war bereits 1889 in Ostafrika, um sich aus eigener Anschauung über die donigen Verhältnisse zu unterrichten.