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Die deutschen Kolonien in Wort und Bild : Geschichte, Länder- und Völkerkunde, Tier- und Pflanzenwelt, Handels- und Wirtschaftsverhältnisse der Schutzgebiete des Deutschen Reiches / von Gustav Meinecke
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lgisch-preußische Kolonialpolitik.

as deutsche Volk ist ein uraltes Kolonialvolk.

Bau Anbeginn seiner Geschichte wo Hute dem Polte eiu grosser Wunder trieb inne, und mit einem Wunder,zuge führten sich auch die Germanen in die Weltgeschichte ein, indem die südwärts ziehenden Eimbern 113 vor Christi Geburt bei Pore ja ein Römerheer schlugen. Wanderzüge innren es, in eiche sie wiederholt zum Kampf mit den Römern führten, welche Goten und Pan dalen selbst über das Acittelländische Bceer bis an die Gestade Afrikas ver­schlugen. Durch diese frühe Zeit der deutschen Geschichte klingt es von scharfen Schwertesschlägen, denn das Deutschtum war im Begriff die Welt zu erobern. Zu kolonisieren verstand es aber nur dort, wo die unterworfenen Völker auf derselben oder einer niedrigeren Kulturstufe standen. Dann gaben die Deutschen, wie die Angelsachsen den Britanniern ein germanisches Ge präge und wurde» so Begründer des englischen Volkes. Trafen sie auf höher entwickelte Völker, so nahmen sie bald deren Cultur an und gingen in ihr allmählich auf, so das; fast alle diejenigen Völker, welche heutzutage in Europa und in der Renen Welt bedeutende Staaten gebildet haben, eine stark germanische Beimischung haben.

Znr Zeit der Hansa waren die Deutschen auch ei» seegewaltiges Volk, aber die Entdeckung von Amerika und des Seeweges nach Indien fand doch kein Geschlecht vor, welches sich nun die günstigen Gelegenheiten zu koloni sieren zu nutze gemacht Hütte. Das deutsche Kaisertum hatte seine Be dentnng längst verloren, die Weltherrschaft fiel an die Spanier. Von Angs bürg aus, von den Welsern, wird ein Versuch gemacht, in Venezuela festen Fuß zu fassen und das fabelhafte Gvlkonda zu finden, aber die Eifersucht der Spanier lies; daS Unternehmen mißlingen. Doch sangen die Völker germanischer Rasse an sich zu rühren, Holländer und Engländer treten auf den Plan, bekämpfen die Spanier und schließlich sich selbst, bis das meernm spülte England Sieger bleibt. Frankreich ist zwar noch ein gefährlicher Gegner, aber seine kontinentale Politik verhindert oft genug eine energische Kolonialpolitik, und England hat den Vorteil.

Wo aber war Deutschland in dieser Zeit, als die Welt vergeben wurde? wird der eine oder andere fragen. Im sechzehnten Jahrhundert war, -nie schon bemerkt, das Unternehmen der Welser in Venezuela begonnen und auf­gegeben worden, aber die Erfahrungen waren durchaus nicht derart, das; sie hätten abschreckend wirken können. Der Mangel bedeutender Kapital tröste kann auch nicht ausschlaggebend gewesen sein, denn Deutschland war damals blühend und wohlhabend. Aber die Religionsstreitigkeiten lenkten die all­gemeine Aufmerksamkeit von einer Beteiligung über See ab, und Kaiser Karl V. hatte gar kein Interesse, für die deutschen Lüsten zu sorgen, da für ihn nur seine Hansmacht in Frage kam. Dazu innere dämpfe, Türkenkriege wie ja das Jahrhundert sehr bewegt war und im siebzehnten Jahrhundert der große Dreißigjährige Krieg, der Deutschlands Wohlstand die tiefsten Wunden schlug, die erst in unserm Jahrhundert vernarbt sind. Der einzige deutsche Stamm, welcher thatkräftig die Kolonisation überseeischer Länder auf nahm, waren die allerdings nur in lockerer Verbindung mit dem Reich stehen

den Riederlande. Die Niederländer, begünstigt durch dir in jeder Beziehung vorteilhafte Lage ihres Landes, durch ihre schönen Häfen, Stromverbindnngen und die gewerbreichen, fruchtbaren Hinterländer, hatte» von jeher einen regen Handel zu Lande wie znr See getrieben, welcher bald infolge ihnen ge währter Freiheiten zu hoher Blüte gelangt war. Ramentlich ragte» die

flandrischen Städte, wie Brügge und Antwerpen, durch selbständigen Handel und als Handelszentren der bekannten Welt hervor, während die Städte der nördlichen Landschaften mehr in Anlehnung an die Hansa zu Macht und Ansehen gelangten.

Der erste Hohenzoller, welcher in seinem lühnen und umfassenden (Riste seilten GrundsatzSeefahrt und Handlung sind die fürnehmsten Säule» eines Estats" verwirklichen wollte, war Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst von Brandenburg, der Herrscher eines kleinen Binnenstaates an der deutschen Nordgrenze, welcher durch die Eifersucht gewaltiger Mächte von der See ab geschnitten war, aber durchdrungen von der Notwendigkeit der See Entwicklung des Staates diese Fesseln zerbrach. An den Kurfürsten Georg Wilhelm war bereits im Jahr 1634 der Plan einer Beteiligung an einer großen Handels gesellschast in Südindien herangetreten, welchen Gustav Adolfaus wohl meinender väterlicher Asfektion und Vorsorge gegen die evangelische deutsche Nation" verfolgt hatte, aber in dem Elend des Dreißigjährigen Krieges, welcher Deutschlands Wohlstand fast vernichtet halte, war der Plan nicht weiter verfolgt worden. Als aber der Große Kurfürst znr Regierung kam und die Stellung seines Staates gegen die umliegenden Feinde gesichert halle, da schuf er mit Hilfe des unternehmenden holländischen Reeders Wilhelm Raute, an welchen heute »och Ranleshof in Berlin erinnert, eine Seemacht, die am 1. Sktober 1684, dem eigentlichen Geburtstag unserer heutigen kaiserlichen Marine, bereits aus 26 seetüchtigen Kriegsschissen mit 602 Ge schützen bestand. Mit dieser Flotte beschloß er einmal sogar Spanien znr See anzugreifen, um von diesem Staat sein gutes Recht zu ertrotzen, und sie für die kolonialen Unternehmungen z» verwenden, welche Ranle ihm angeraten.

Schon im Jahre 1676 Patte Ranle auf den vorteilhaften Betrieb des Handels nach Guinea hingewiesen und im Jahre 1679 dem.Kurfürsten um­geschlagen, einer gninesischen Kompagnie seinen Schutz zu verleihen. Diese sollte zuvörderst mit zwei Schisse» nach Guinea und Angola Handel treiben, sonne auf 25 Jahre ausschließlich privilegiert werden und vom Kurfürsten, dem auch die Ernennung des Präsidenten der .Kompagnie überlasse» blieb. Kanone», Soldaten und 10 000 Thaler erhalten. Der Kurfürst wandte den Verhand lnnge» über die Fnndiernng der afrikanischen Kompagnie sein größtes Interesse zu und suchte innerhalb und außerhalb seiner Erblande, innerhalb wie außer halb des Reichs kaufmännische und andere Teilnehmer für die Handelsgesell schaft z» gewinnen. Aber gerade in den kreisen der Handelswelt, in seinen eigenen Seeprovinzen und in den Hansestädten, fand er für seine Pläne, nach dem Vorbild der Holländer sein Land durch den überseeischen Handel zu heben, nur ein geringes Verständnis. Die von dem Kurfürsten erstrebte Wiederansrichtnng der verfallenen Kommerziell im Heil. Röm. Reiche" wäre

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