Druckschrift 
Die deutschen Kolonien in Wort und Bild : Geschichte, Länder- und Völkerkunde, Tier- und Pflanzenwelt, Handels- und Wirtschaftsverhältnisse der Schutzgebiete des Deutschen Reiches / von Gustav Meinecke
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

USW

UM

Kamerun.

ls im Jahre 1883 der Reichskanzler Fürst Bismarck die Hansestädte aufforderte, über die Lage ihres Westafrikanischen Handels und die für seine Sicherung und Förderung wünschenswerten Maßnahmen zu berichten, lenkte die Hamburger Handelskammer die Aufmerksamkeit auf die Wichtigkeit einer deutschen Flottenstation im Golf von Guinea und empfahl nächst der Insel Fernando Poo, welche in spanischem Besitz ist, ganz besonders eine Besitzergreifung auf dem gegenüberliegenden Festland. Im Juli 1884 stellte der Generalkonsul Nachtigat die dortigen Erwerbungen Hamburger Fir­men, besonders Woermann, Jantzen und Thormählen, unter den Schutz des Deutschen Reiches. Die folgenden Berhandtungen mit England und Frankreich sicherten Deutsch­land ein Schutzgebiet, welches auf etwa 495 000 glou zu schätzen ist. Ob die Ab­grenzung den praktischen Bedürfnissen ge­nügt, muß aber erst die Zukunft lehren, wenn die bislang noch weltentlegcnen Ge­biete dem deutschen Unternehmungsgeist er­schlossen werden.

Landeskunde. Das Wahrzeichen des Landes ist das mitten zwischen sumpfigen Mangrovenfern am Mceresrande steil auf­strebende Kamernngebirge, das erste festlän­dische Glied in der Reihe vulkanischer Berg- massen, welche von der Insel Anno Bom aus den Golf von Guinea durchziehen. Der 4200 m hohe Kamerunberg hat übrigens landschaftlich wenig zu bedeuten, da er meistens im trüben, graulichen Dunst der Atmosphäre völlig versteckt bleibt. Hier und da sieht man bloß seine Spitze hoch aus den Wolken ragen. Selten enthüllt er sich ganz, und dann wird er auch gleich so klar, daß man an seinen Hängen die Einzelformcn, Schluch­ten und Grate, ja selbst die scharfe, aber unregelmäßig gezogene Grenze seiner Wald­bedeckung erkennt. Gelegentlich zeigt sich auch, wenn auch nur auf wenige Stunden, die Spitze des Kamerunberges bis znr Hälfte seiner Hohe herab mit Schnee bedeckt. Der Küstensaum des Gebirges ist auf weite Entfernung die einzige Strecke felsiger Steilküste, gegliedert von tief eingreifenden Buchten. Zu beiden Seiten dieses Steilufers liegen Flachküsten mit breiten, aber ziemlich flachen Aestnarien. In den Mangrovedickichten ihrer Sumpfränder offnen sich die Mündungen der Ströme. Die Reede von Kamerun bietet das Schauspiel einer noch ganz unfertigen Deltabildnng, zu deren Ausbau vier größere Flüsse

zusammenwirken. Einem fünfzakkigen Ahvrnblatt vergleicht Dr. Büchner das Becken, welches zwischen den langsam wachsenden Schlammbänken noch offen blieb und durch eine 8 Ion breite Einfahrt die Flutwelle cmpfäugt. Sie er­leichtert Schiffen mäßigen Tiefganges das Eindringen in die Mündung des von Nordosten kommenden Wuri, des Kamernnflnsses im engeren Sinne, an

dessen linkem Ufer das Berwaltnngszentrum der Kolonie sich erhoben hat. Den Süd rand des Beckens bilden die Anschwem mnngen des Mbam (Sannaga). Er führt die Hauptmassen seiner Gewässer unmittel­bar ins Meer, entsendet aber einen nörd­lichen Seitenarm, den Kwakwa, in das Kamerunbecken. Außer dem Mbam (Sannaga) münden an diesem Küstenstrandc der Ryong, der Kribi und der Kampoftuß. Der Ver­kehrsweg aller Flüsse Kameruns wird ge­schmälert durch Wasserfälle oder Strom schnellen, deren Entfernung von der Müll düng immer geringer wird, je weiter süd wärts man fortschreitet. Auch die Hofs nungen, welche man auf die Schiffbarkeit des Oberlaufes einiger Flüsse setzte, haben sich nicht erfüllt. Charakteristisch für das Gebiet ist aber, daß der große zentralasrika nische Urwald in seinen nördlichen Aus läufern hier dicht bis an die Küste kommt. Der finstere, am Mungo noch zahlreiche Ele fanten bergende Urwald beginnt erst jenseits des Kalabarflusses bei den Banyang sich zu lichten. Nach dem Innern zu gehend erreicht man über eine ziemlich sanft gelöschte erste Staffel (200>), etwa 70 lo>> von der Küste, den allgemein steilen, durch Wasser- fälle der Ströme bezeichneten Rand (700 »>) des inneren Hochlandes. Das Grasland des Sudans ist ähnlich dem Hinterland von Togo und wird von einer Reihe von Stämmen bewohnt, die znm Teil schon unter mohammedanischer Herrschaft stehen. Das Gebiet ist noch weniger bekannt als das der Küstengegenden mit Ausnahme des Vcnue und einiger Routen von Reisenden, unter denen besonders Barth hervorragt, welcher bereits im Jahre 1851 von Kllka nach Adamana zog und den Benne entdeckte. Zur Leu» zeichnung einiger eigentümlichen Verhältnisse fügen wir hier noch zwei Schilderungen ein, welche die Küstenregion betreffen.Die Fahrt auf dem Kamerunsluß gehört", so schreibt lBüchner,wohl zu dem Bestell, was au tropischer Waldschönhcit »ufere Erde zu biete» vermag. Man denke sich einen

3

Mv ^

Zesko v. jDuttkamer, Gouverneur von Kamerun.

Als Gouverneur fungiert seit August JcSko v. Puttkainer, ein Sohn des Oberpräsidcutcn und Staatsministers v. Puttkainer. Er wurde als Referendar im Jahre 1883 dem Konsulat in Chicago zur Beschäftigung überwiesen und nach vorübergehender Thätigkeit im Auswärtigen Amt im Mai 1887 als interimistischer Kanzler nach Kamerun gesandt. Seitdem ist er stets in Wcstafrika thätig gewesen und hat sich eine Zeitlang als Landeshauptmann von Togo auch um dieses Schutzgebiet verdient gemacht.