II. Bd., i. H.
VII. Asiatischer Imperialismus.
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VlI. Asiatischer Imperialismus.
/HhjLsien ist von jeher der Schauplatz imperialistischer Bestreb- ungen gewesen, von Asien her überfluteten die Weltreiche eines Lyrus (f 52Z v. Ehr.), Dschengischan (ss60—s227), Tamerlan (sZZ5—s^05), der Pharaonen und der Aalifen auch Teile von Europa, und die europäischen Welteroberer: Alexander, die Byzantiner und Weströmer, die Areuzritter, dehnten sich über Asien aus, oder sie fanden wenigstens, wie jDeter I. und Napoleon I., in Asien den Tummelplatz ihrer Phantasien 9- Es scheint, daß die Steppennatur großer Landgebiete von Asien die Bildung von Weltreichen begünstigt. Die unausgesetzte Austeilung des Ostens hat fast niemals zur Bildung von Aleinstaaten geführt, wie in Europa. Fast immer waren es Riesengebilde, die sich bekämpften oder ablöstet:. Dies gilt auch von der Gegenwart.
Seit 200 Jahren machen sich Rußland und Großbritannien die Herrschaft über Asien streitig, indem beide dort nicht etwa bloß Aolonien zu erwerben, sondern Aniversalherrschaften zu errichten bemüht sind.
In Großbritannien geht man hierbei im wesentlichen stillschweigend in allem Tun und Lassen von dieser Anschauung als einer selbstverständlichen Voraussetzung für britische Ansprüche aus, während man in Rußland diesen Glaubenssatz seit Jahrhunderten öffentlich verkündete und es verstanden hat, ihn künstlich zum Gemeinbewußtsein des großen russischen Volkes zu machen. Man stützte sich dabei gewöhnlich aus das sogenannte Testament Meters des Großen. In welcher Weise man sich in den regierenden Areisen Rußlands diese Gedanken zurecht-
tz Näheres darüber in meiner Abhandlung über „Die Teilung des Gstens" in meinem Aufsatz über „Rolonien und Rolonialpolitik" in der 2. Auflage des Handwörterbuchs der Staatswissenschaften, herausgegeben von Tonrad usw. Land V, S. ^58 sf.