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weltxolitik, Imperialismus, Rolonialxolitik.
II. Bd., H.
IV. Imperialismus.
/^»^-s^)och in den letzten Jahrzehnten des l9« Jahrhunderts machte der Sprachgebrauch den Imperialismus zu einer Sache der inneren j)olitik der Staaten, zu einer Verfassungsfrage oder zu einen: Regierungsgrundsatze. Man verstand unter Imperialismus einen Zustand der Staaten, in welchem, wie unter den römischen Kaisern, nicht das Gesetz, sondern die auf die Militärmacht sich stützende Willkür des Regenten herrscht.
Der neuzeitliche Ausdruck Imperialismus ist aufgekommen, als Disraeli die Königin Victoria bewog, den Titel „Kaiserin von Indien" anzunehmen. Vielleicht wäre es logischer gewesen, den Titel „Kaiserin von Großbritannien, Königin von England, Indien u. s. w. zu wählen, da der Kaisertitel das weitere, der Königstitel das engere umfaßt.
Auch in unserem 20. Jahrhundert herrscht keineswegs eine Uebereinstimmung über den heute täglich gebrauchten Ausdruck Imperialismus. Der Geschichtslehrer Erich Marcks*) verstand l903 unter den imperialistischen Bestrebungen „den Zug zur Organisation im großen und größten, die enge Verbindung alles Wirtschaftlichen mit der politischen Macht, die ungeheure Verstärkung des Gewichtes der staatlichen Gesamtheit gegenüber allem Leben" — aber auch den „Zusammenschluß der Masse." Und der Parlamentarier Bassermann deutete noch l907 den Ausdruck imperialistisch als gleichbedeutend mit krieglustig, indem er**) sagte: „Man will mit der Abrüstungsfrage Deutschland in die Lage bringen, entweder zu sagen, nein, wir lassen uns in das Maß unserer Rüstungen nicht hineinreden; dann wird man Deutschland als den imperialistischen Staat, den Störenfried der Welt denunzieren; oder man sucht Deutschland zu einem schwächlichen Nachgeben zu bringen."
*) Die imperialistische Idee in der Gegenwart, von Erich Marcks. Reue Zeit- und Streitfragen, herausgegeben von der Gehestiftung zu Dresden. 1- Heft, Oktober 1903.
**) Su seiner Rede in Magdeburg am ^ 5 . April I 907 .