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lVeltxolitik, Imperialismus, Rolonialpolitik.
II. Bd.,
VI. Amenkarnscher Imperialismus.
ist erstaunlich, mit welcher Schnelligkeit die Vereinigten Staaten von Nordamerika sich aus einem passiven in ein aktives Kolonialgebilde verwandelt haben. Noch bis zum heutigen Tage sind sie das wesentlichste Ziel der europäischen Auswanderung und doch haben sie unmittelbar nach ihrer Befreiung von England ihre Blicke hinaus über die Grenzen ihres scheinbar unendlichen nordamerikanischen Festlandes gerichtet, nach Westindien einerseits und nach der Südsee und der ost- asiatischen Inselwelt andererseits. Es ist hier nicht der Grt, die Anfänge der nordamerikanischen aktiven Kolonialpolitik zu besprechen. Aber es ist ein Irrtum, wenn man glaubt, die Erwerbung Kubas, Hawais und der Philippinen als den Ausfluß des allerneuesten amerikanischen Größenwahns bezeichnen zu dürfen. Die Ansänge dieser Ausdehnungsbestrebungen sind schon älter als ein Jahrhundert und sie ragen in eine Zeit zurück, in der diese Ausdehnungsbestrebungen noch keine Formel in der Nlonroelehre gesunden hatten. Demnach ist auch die Nlonroedoktrin nicht etwa als die älteste (Quelle des nordamerikanischen Imperialismus zu betrachten, um so weniger als sie ursprünglich ja nur eine Verteidigungsbedeutung hatte und erst in neuerer Zeit, und zwar eigentlich flmberechtigterweise zu einem Lehrsätze der Ausdehnungslust Nordamerikas geworden ist. Diese Nlonroelehre ist zwar auch heute noch nicht zu einem Bestandteile des Völkerrechts geworden, aber praktisch hat sie eine ähnliche Bedeutung für die tzankees gewonnen, wie das Testament Meters des Großen für die Russen.
Diese Nlonroelehre begründet sich auf eine Depesche, die gelegentlich der Versuche Rußlands sich in Kalifornien festzusetzen unter der Präsidentschaft von James Nlonroe, der damalige Staatssekretär John 6)uinoy Adams am t?. Juli ^823 an den russischen Gesandten, Baron Tuyl, richtete, in der folgender Satz vorkommt:
„Wir werden Rußland jedes Recht aus eine territoriale Niederlassung aus diesem Kontinente bestreiten und klipp und klar das Prinzip