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Zweites Kapitel.
In Kagamoys.
14. März.
Morgens um 6 Uhr werde ich durch die homerische Stimme Herrn Frickes geweckt, der mir mit der Lungenkraft von 10000 Männern von der Straße aus zubrüllt, daß ich an Bord kommen möchte. Erst frühstücke ich in aller Ruhe mit Herrn Zöller bei Märcker, der wie gewöhnlich die Liebenswürdigkeit in Person ist, lasse mir dann eine Menge Kleider anmessen und gehe an Bord. Bald erscheint Herr Fritz Bley^) und teilt uns mit, daß der Sultan Said Chalifa auf keinen Fall die Somali in die Stadt hereinlassen wolle,, daß er aber bereit sei, uns einen seiner Dampfer, die „Barawa", Kapitän Elson, zur Verfügung zu stellen, um uns nach Bagamoyo zu befördern. Unter allen erdenklichen Schwierigkeiten wird der Transport der Leute auf die „Varawa" bewerkstelligt, die sofort aus dem Hafen dampft und dann vor Anker geht. Die Leute scheinen vor den Somali eine gewaltige Angst zu haben; mein Gott, ich finde die Kerls sehr harmlos und verständige mich mit einigen, die etwas Englisch radebrechen, ausgezeichnet. Besonders einer von ihnen, Hussein Fara, ein hübscher, fixer Kerl, gefällt mir ausnehmend gut.
15. März.
Wir dampfen gegen 6 Uhr auf Bagamoyo los, legen uns in der Nähe der „Leipzig" vor Anker und fahren an Land. Die Somali werden in einem großen Boot per Schleppkahn an Land befördert, wo uns die Herren des Forts, Herr von Eberstein an der Spitze, empfangen. Das Usagarahaus, gemeinhin Fort genannt, ist formi- dabel befestigt und hat mit seiner Besatzung, etwa zwanzig Gentlemen,, einem Zuge Matrosen und etwa hundert ganz vorzüglich disziplinierten Asikari (eingeborene Soldaten) bisher alle Angriffe Vuschiris glänzend zurückgewiesen. Wir erhalten sechzehn Mausergewehre, mit denen wir uns, wenn dieser Herr Absichten auf uns haben sollte, unserer Haut wehren dürfen. Unterkunft finden wir in den Khanjeehäusern, zwei großen, viereckigen, steinernen Kästen, die von ihrem Besitzer verlassen,, aber noch in leidlichem Zustande sind. Im übrigen ist ganz Bagamoyo ein Trümmerhaufen. Während der Nacht schlafen unsere sechzehn
!) Ursprünglich eins der weißen Mitglieder der Expedition, der aber vor. dem eigentlichen Anfang aus Gesundheitsrücksichten nach Europa zurückging.