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Gouverneursjahre im Kamerun / von Jesko von Puttkammer
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Kapitel 1.

In/Togo. Berufung nach Kamerun.Abreise,Lagos,Rio del Rey. Viktoria. Ankunft in Kamerun. Unerfreuliche Zustände. Die Kaiserliche Marine, S. M. S.Sperber", Korvettenkapitän Walther und seine Offiziere. Ver­pflegungsschwierigkeiten. Eroberung von Buea. Stetten und Dominik. Pater Vieter, die Plehn's. Besuch derDonau". Fieber. Sylvester.

Es ist der 7. November 1894, ein herrlicher Tropenabend; die frische Seebrise erfreut Mensch und Tier nach der glühenden Hitze des Tages; anmutig schwanken und rascheln die schlanken Kokospalmen am weissen Strande von Aneho (Togo), auf den die unablässig sich erneuernden schaumgekrönten Brecher niederdonnern; fern im Westen über Quitta geht feurig rot die Sonne zu Rüste; auf der Reede schaukelt ein Wörmanndampfer, der viel seltsame Nachricht aus Kamerun gebracht hat, gemächlich hin und her. Das letzte Brandungsboot ist auf den Strand gezogen; 6 Uhr, die Arbeit ist vorbei, und plaudernd wandern Weisse und Schwarze auf der neuen, eben fertig gewordenen Strandpromenade. Ich sitze auf der kühlen, bequemen Veranda des Zollhauses von Aneho mit den drei Leuten, die mir hauptsächlich seit Jahren in der Verwal­tung der Togokolonie treu zur Seite gestanden, in gemütlichem Gespräch. Stabsarzt Wicke spricht über seine letzten Krankheits­fälle, über die schwere Leberentzündung, die ich soeben durch­gemacht, noch dazu in seiner Abwesenheit, lediglich behandelt vom Zoll­direktor Böder und dem farbigen Lazarettgehilfen Victorino da Silveira, und von der ich wie durch ein Wunder genesen war; Leutnant von Döring, der Kommandeur der Polizeitruppe, erörtert die Chancen eines ins Innere geplanten Zuges; mein vortrefflicher Böder schwärmt für eine neue Zollordnung, die dem Schutzgebiet erhöhte Einnahmen bringen soll. Ich höre still zu, mir ist so recht wohl zu Mut, wie immer in der Rekonvaleszenz nach schwerem Fieber. Es ist mir wie heut, dass ich an jenem Abend darüber nachdachte, eine wie schöne und dankbare Lebensaufgabe es sein müsste, das idyllische Togoland mit seiner willigen und vorgeschrittenen Bevölkerung so