Vorwort»
In dem nachfolgenden Werke erhebe ich nicht den Anspruch, Kolonialgeschichte zu schreiben. Ich wünsche lediglich, dem Leser eine möglichst anschauliche und wahrheitsgetreue Darstellung einiger meiner Züge durch die Kolonie zu Wasser und zu Lande und eine Schilderung der hauptsächlichsten Ereignisse während meiner Verwaltung darzubieten; dabei werden sich Betrachtungen und Folgerungen hie und da von selbst ergeben, und so vielleicht ein nicht wertloser Beitrag zu einer später zu schaffenden deutschen Kolonialgeschichte entstehen.
Schon vor Jahren sind die geschilderten Ereignisse aufgezeichnet worden, meist an den Orten selbst, an denen sie stattgefunden haben, freilich, wie die Umstände es mit sich brachten, oft nur in skizzenhafter Form eines flüchtigen Tagebuchs. Ich habe geglaubt, an dieser Form möglichst wenig ändern zu sollen, um ein gewisses Lokalkolorit nicht zu beeinträchtigen. Jedoch finden sich selbstverständlich auch später verfasste Sätze, Bemerkungen und Kapitel, welche aktuelle Dinge berühren und eine Brücke zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem zu bilden geeignet sind.
Lange Zeit hindurch habe ich mich nicht entschliessen können, mit der Veröffentlichung hervorzutreten; ich hatte das Gefühl, über Ereignisse, in deren Mittelpunkt ich in meiner Eigenschaft als Gouverneur von Kamerun so lange Jahre gestanden habe, der Öffentlichkeit gegenüber vorläufig noch schweigen zu sollen.
Zwei Gründe sind es hauptsächlich, die mich veranlassen mein Schweigen zu brechen. Einmal droht die koloniale Tradition allmählich verloren zu gehen; kaum noch einer von denen ist am Leben, welche mit mir zusammen von Anbeginn an die höchst merkwürdige und lehrreiche Entwicklung von Kamerun mitgemacht haben; meine allerbesten Mitarbeiter — ich erwähne unter den vielen, die mir treulich geholfen, Kamerun zu erobern, einzurichten und zu verwalten hier nur die mir vertrautesten Namen v. Brauchitsch,