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Lindi und sein Hinterland / von P. Adams
Entstehung
Seite
62
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VIII. Die Europäerbevölkerung.

Wie bereits im ersten Kapitel angedeutet wurde, war die ganze ostafrikanische Küste schon seit Jahrhunderten, das ist seit Entdeckung des Seeweges nach Ost-Indien, von den Portugiesen befahren und besetzt worden. Das Innere von Afrika, vorzüglich das eigentliche Gebiet der grossen Binnenseen, war bis auf unsere Tage der europäischen Rasse unzugänglich gewesen. Während die Portugiesen an den grossen Flussbildungen des Kongo und Zambesi sehr tief in das Land eindrangen, wie uns Geschichte und zweihundertjähriges Kartenmaterial genügend überliefert haben, haben sie sich mehr im Norden der Ostküste nirgends über den eigentlichen Küstenstreifen ins Innere vorgewagt, vielleicht weil die Anstrengungen der Okkupation mit den praktischen Handels­erfolgen auch zur damaligen Zeit schon kaum in einem lohnenden Verhältnisse zu einander standen. Mozambique mit dem Volks­stamme der Makua, der Shirefluss bis zum Nyassa und das Shireplateau, sowie die Küstengebiete von Lindi und Kiloa waren den Portugiesen ziemlich bekannt. Kaufleute, Beamte und Missionäre teilten sich auch damals schon in die Kultur erzeugende Arbeit. Wenn wir uns in die afrikanische Geschichte versenken, so müssen wir zugeben, dass besonders das kleine Volk der Portugiesen vor Zeiten eine sehr achtungswerte Energie in seinen Kolonisations­unternehmungen entfaltet hat. Freilich hat der unmenschliche Sklavenhandel dabei eine hervorragende Rolle gespielt, und der Fluch hätte sich auf Portugal grauenvoller geworfen, wenn nicht auch zu gleicher Zeit bei seinem kolonisatorischen System das ideale Moment in einer nachdrücklichen Missionsarbeit zur Geltung gekommen wäre. Leider trat infolge der Erschlaffung und unverantwortlichen Gleichgültigkeit der portugiesischen Regierung