VI. Die Makua.
Der grosse und uralte Stamm der Makua hat seine eigentliche Heimat in dem Gebiete der jetzigen portugiesischen Kolonie, in der alten Provinz Mozambique, nördlich des Zambesistromes. Schon die ersten portugiesischen Eroberer stiessen vor drei Jahrhunderten mit den Makua zusammen und knüpften mit ihnen regen Verkehr an. Dem von Süden kommenden Druck der kriegerischen Zulustämme ausweichend und der fortwährenden Belästigungen müde, suchten die Makua, immer mehr nordwärts ziehend, sich ruhigere Wohnsitze zu sichern. So sind sie, allmählich in dem Gebiete zwischen Lujenda und Mawiaplateau vorgehend, an den Ruvuma 'gekommen, haben diesen überschritten und sich in dem fruchtbaren Masasigebiet und dem Lukuleditale abwärts angesiedelt, obschon sie auch hier vor den Einfällen der Wangoni noch nicht ganz zur Ruhe gekommen waren.
Schon in der Vorzeit teilten sich die Makua in mehrere Nebenstämme, die sich auch in ihren Sprachidiomen unterschieden und heute noch unterscheiden lassen. Doch führen sie eine gemeinsame Legende ihres Stammesursprungs, die also lautet: Dort, wo der mächtige Strom Luli die wilde Landschaft Meto (alter Name) durchfloss, lag der Felsenberg Mima. Aus diesem Felsen ging eines Tages der Stammvater hervor, zugleich mit seiner Frau, mit Ziegen, Schafen und Rindern. Sie Hessen die Spuren und Abdrücke ihrer Füsse und Klauen auf den Felsen zurück zum Andenken ihrer Nachkommen. Und der erste Mensch und Stammvater der Makua nannte sich nach seinem Geburtsfelsen ebenfalls Mima. Er wohnte fortan mit seiner Frau im Walde, und da sie nackt und hilflos waren, machten sie sich