Die neuen Erwerbungen für die (Gemäldegalerie
der KunstKalle
von Sustav Pauli
!ie Erwerbungen, die durch Geschenke und Ankäufe in diesem Frühjahr kür die Kunsthalle gemacht worden sind, dürfen als besonders glückliche begrüßt werden, nicht allein wegen ihres wertes, sondern auch deswegen, weil die besondere 5lrt dieses Wertes den Charakter unserer (Zalerie, der sich allmählich deutlicher auszusprechen beginnt, wesentlich verstärkt. Und Charakter sollte jede Kunstsammlung haben wie alles planmäßig Gewollte und Gewordene, freilich wird dieser Forderung — soweit es sich um öffentliche Institute kür moderne Kunst handelt ^ nur ausnahmsweise genügt. Denn für gewöhnlich werden diese die Deute der verschiedensten (Meinungen und Interessen, die in Kommissionen vereinigt, zu unberechenbaren Majoritätsbeschlüssen führen, wobei man noch dankbar sein muß, wenn eine anständige Mittelmäßigkeit den Durchschnitt bezeichnet. Insonderheit hat man mit den Künstler- Kommissionen — nomina sunt odiosa — die schlechtesten Erfahrungen gemacht. Es Klingt so schön, daß die schaffenden Meister über Wert oder Unwert ihrer Genossen zu Gericht sitzen sollten. Sie tun es ja auch im allgemeinen in oberster Instanz. Wenn es sich nur nicht in unserem besonderen 5alle peinlich fühlbar machte, daß die Genossen eben Kollegen sind, von den sehr begreiflichen Einseitigkeiten zu schweigen, mit denen jeder Künstler für seine Geistesverwandten und gegen Andersgläubige auftritt. Daher ist es denn auch für die Vermehrung unserer Sammlungen Keineswegs ein Nachteil, daß Vremen Keine Künstlerstadt ist. Wir stehen infolgedessen der Produktion der verschiedenen Schulen objektiver gegenüber, ohne doch Gefahr zu laufen, die Kühlung mit einer von ihnen zu verlieren. So dürfen wir, vorausgesetzt, daß ein wahres und lebhaftes Gefühl uns leitet, unbeschwert von Rücksichten und Gevatterschaften, gleich nach dem
4'