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Jahrbuch der bremischen Sammlungen : Jahresberichte des Gewerbemuseums, des Kunstvereins, der Stadtbibliothek
Entstehung
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Die gotischen Skulpturen am Drewer Markaus

von C. Waldmann')

kan hat gelegentlich die Bemerkung gemacht, daß die alten Kunststädte, die in der Kulturgeschichte einen glänzenden Namen führen, nicht alle selber die fzeimat jener Künstler gewesen sind, denen sie ihren I^uhm verdanken. Nicht überall war es so, wie in Florenz, wo, kür den DlicK des l^ückschauenden, die (Nenge der Kunstschaffenden Nürger Kaum sehr viel geringer gewesen sein Kann, als die der genießenden. Manch andre Stadt ist als Kunststadt nur groß geworden, weil sie es verstand, bedeutende Persönlichkeiten auszuwählen, an sich zu ziehen und sie festzuhalten. Von all den Künstlern z. N., die im Venedig der goldnen Zeit die Lorbeeren aufhäuften, war nur ein Linziger in dieserNasser- und (ZIasmacher-Stadt" wirklich geboren, nur Lorenzo Lotto. Nie Nndren, die ganz (Zrofzen, Nellini und «Ziorgione, Hintoretto und Tizian, die waren nur erst hingekommen, als XVahlverwandte dieser Königin unter den Städten. Nber sie sind Venezianer, weil sie unter den klügeln des (NarKuslöwen eine Stätte fanden.

Wenn man die deutschen Kulturstädte aufzählt, pflegt man auch Nremen zu nennen, und zwar nie an letzter Stelle; sobald Nürnberg und Nugsburg aufgesagt sind, folgen meist schnell die großen Hansestädte Nanzig, Lübeck, vremen. Ich will unsre Stadt nicht mit Venedig ver­gleichen, auch nicht behaupten, daß es einzig und allein die KunstdenK- mäler sind, die eine solche Nlüte ehemaliger Kultur ausmachten. Naß aber diese Kunstdenkmäler, die in dem Nilde der Kultur doch auch nicht fehlen dürften, samt und sonders nicht von Söhnen unsrer Stadt gemacht sind, sondern von fremden, das verdient Erwähnung, besonders auch, weil dieser Zustand sich bis tief ins 19. Jahrhundert hinein erhalten und erst mit der (Zeneration der jetzt Lebenden geändert hat. Nies scheint erstaunlich. Wenn man vor unser Rathaus tritt und sich seinen alten Zustand vergegenwärtigt, so wie es vor den Zeiten Lüder von Nentheims war, jenen schweren massigen Nau der gotischen Zeit, dessen einziger

') 5>nm.: Oer hier vorgelegte ttuksatz ist ein Auszug aus meinem soeben bei Z. IZ. Cd. Keitz erschienenen gleichnamigen vuche.