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Geschichte der Stadt Geestemünde / von Georg Behrens
Entstehung
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6. Capitel.

Der Niedergang des Geestemünder Eigenhandels und der Reederei läßt sich auf wenige Ursachen zurückführen. Die Blüte dieser beiden großen Wirtschaftszweige war eine Folge des Hafenbaues. Während die Geschichte der hannoverschen Geestemündung bis zum Amtsantritt des Ministers von Borries eine Kette von Halbheiten war, war setzt zum ersten Male ein wirklich bedeutendes Werk geschaffen. Ein Hafen, der mit seinen gesamten technischen Einrichtungen völlig modern und in mancher Hinsicht auch Hamburg überlegen war. Das aber waren Borzüge, die eingeholt und überholt werden konnten und überholt wur­den. In demselbe' Augenblick aber mußten sich die Nachteile zeigen, die mit Geestemünde verbunden waren. Es fehlten dem Hafenort die Tradition und das Kapital, über das Hamburg und Bremen verfügten. Dremerhaven kann in dieser Hinsicht nicht zum Vergleich herangezogen werden, da es ein Ableger Bremens sein sollte und auch geblieben ist. Der Hauptmangel aber, den Geestemünde allerdings mit Bremerhaven und zunächst auch mit Bremen teilte, war die mangelhafte Verbindung mit dem Hinterlands. Während auf der Elbe die größten Seeschiffe bis Hamburg hinaufkommen konnten und der Elbstrom eine sehr günstige, bis nach Böhmen hineinreichende und mit Berlin und der Oder zu­sammenhängende Schiffahrtsverbindung mit dem Hinterlands darstellte, war auf der Weser das Fahrwasser für Seeschiffe schon an der Geeste­mündung zu Ende, sogar der Leichterverkehr auf der Unterweser war außerordentlich erschwert, die Oberweser aber erschloß ein im Vergleich zum Elbegebiet nur recht kleines Hinterland.