2. Capitel.
Schon längst war die Weser derart versandet, daß die Seeschiffe nicht mehr bis Bremen, ja nicht einmal mehr bis Degesack hinauf- gelangen konnten. Selbst Brake konnte den Ansprüchen nur noch unvollkommen genügen. Hannover aber besaß einen Platz, der für damalige Zeit als geradezu ideal für die Anlage eines Hafens angesprochen werden konnte, die Mündung der Geeste in die Weser. Bis hierher konnten die Seeschiffe stromaufwärts gelangen, hier war deshalb der gegebene Platz für den Seehafen an der Wesermündung. Auch die örtlichen Vorbedingungen waren sehr günstig. Schon seit alten Zeiten wurde die Geestemündung als Nothafen bei widrigen Winden, bei Sturm und Eisgang benutzt, auch ohne daß Menschenkunst dazu Mötig war. ») Denn es geschah und geschieht sehr selten, daß das Weser- jfahrwasser vor der Geestemündung und diese selbst zufrieren, da bei l) östlichen Winden das Eis nach dem oldenburgischen Äser hinüberge- trieben wird, westliche Winde aber meistens Tauwetter bringen. Die Einwohner von Geestendorf und Lehe konnten daraus auch einen kleinen Gewinn ziehen; denn seit 1741 mußten die hier überwinternden Schiffer an den Eigentümer des Landes, auf dem sie ihren Anker geworfen hatten, ein Ankergeld von einem Reichstaler zahlen.») Auch deckten hier die Seeleute ihren Bedarf an Lebensmitteln. Auf den Gedanken aber, die Gunst der Ratur selbst auszunutzen, selbst Schiffe zu bauen und nach fremden Ländern zu fahren, kam niemand. In Geestendorf gab es im Jahre 1774 nur einen Schiffer, John Ratje, der nach Ritzebüttel und Hamburg fuhr.") Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts bestand hier auch eine Lotsengesellschaft. Der Oberlotse