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Bremische Wohnhäuser um 1800 : Beiträge zur Baugeschichte der Stadt Bremen / von Karl Priester
Entstehung
Seite
112
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Schlussbetrachtung

(Siehe das Titelbild)

U eberblicken wir noch einmal in kurzen Zügen diese Zeit um 1800 und prüfen wir sie auf ihre Bedeutung im Stadtbild Bremens.

Es war keine Epoche höchster Blüte, die sich vor uns abgespielt hat, die uns packen könnte durch die Macht ihrer Schöpfungen; eine Zeit vielmehr stillen handwerksmässigen Schaffens, die in steter Arbeit langsam die Werte schuf, die grösseren Jahrhunderten mühelos in den Schoss fielen, und doch eine Zeit voll starker Kultur.

Ich wüsste kein schöneres Symbol für ihren Wert als das Bild der Ansgariikirche. Wuchtig steht dieser Riesenbau des Mittel­alters da, mit seinen altersgrauen Ziegelmauern, deren Trotz auch die Patina der Jahrhunderte nicht gemildert hat. Er streckt seinen mächtigen Turm gegen den Himmel, weit hinweg über alle Häuser der Gemeinde, beinahe als drohte er. Aber an die fast bedrücken­de Masse des Gotteshauses drängt sich, schmiegt sich der kleine Empirebau des Küsterhauses, ein Bild traulichen Friedens.

Und die riesigen Giebel erscheinen noch überwältigender, sie gewinnen erst ihre rechte Grösse gegenüber den zierlichen Formen des Häuschens, alles erhält Masse und Form durch den Kontrast So steht die Zeit um 1800 vor den hohen Meisterwerken des Mittelalters und der Renaissance. Sie gibt uns erst den rechten Abstand vor diesen Schöpfungen, aber sie zeigt uns auch den Weg zu ihnen. Viel leichter werden wir nach dem Verstehen der Zeit um 1800 in rückblickender Folge die hohen Werke früherer Jahr­hunderte begreifen und dann wird sich in unserem Geiste das alles zu dem grossen aber traulichen farbenfrohen Bild zusammen- schliessen, das uns die Baukunst in Bremen beschert hat.

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