Das eingebaute Stadthaus
(Grundrissbildung)
W ie für die meisten Hansestädte, so bedeutet auch für Bremen das Ende des achtzehnten und der Beginn des neunzehnten Jahrhunderts die Entstehung des eigentlichen Wohnhauses. Nicht als ob es im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert noch keine Stadthäuser gegeben hätte, die ausschliesslich Wohnzwecken dienten; die grosse Mehrzahl dieser Gebäude waren jedoch Kaufmannshäuser, die nur wenige Räume für den privaten Bedarf enthielten, und erst verhältnismässig spät entwickelte sich das Bremer Einzelwohnhaus.
Ausser den eingangs erwähnten Werken kamen hier als Quellen noch in Betracht: Kohl „Denkmale der Geschichte und Kunst der freien Hansestadt Bremen“ (1871), der im zweiten Bande dieses Werkes eine sehr eingehende und gründliche Beschreibung des alten Kaufmannshauses gibt, sowie eine Reihe von Blättern, die von der Direktion des Bremer Gewerbemuseums 1910 zur Städtebauausstellung nach Berlin gesandt wurden. Eine Denkschrift des Bremischen Baumeistervereins, die 1873 auf der Weltausstellung in Wien prämiiert wurde und sehr reiches Material enthalten haben soll, ist leider seit mehreren Jahren verschollen.
Wegen der grossen Bedeutung der Materie wird es sich an dieser Stelle als notwendig erweisen, die zeitlichen Grenzen einmal zu überschreiten, um kurz auf die Grundlagen der eigenartigen Entwickelung einzugehen. Vorausgeschickt sei ferner, dass die hier dargestellten Grundrisse sich so weit wie möglich auf die ältesten vorhandenen Pläne (meist im Besitze der Baupolizei) stützen und den Urzustand der oft mehrmals umgebauten Häuser zu geben versuchen. Aus diesem Grunde sind auch alle Anbauten wie Veranden, Wintergärten, Waschküchen, Abortgebäude etc. fortgelassen.
Den Ausgangspunkt für unsere Betrachtung bildet das alte Bremer Kaufmannshaus, das sich in den gleichen Formen bereits um 1600 in Hamburg, Lübeck und einigen anderen Städten des A niedersächsischen Gebietes findet. Dieser Umstand wie die Verwandtschaft mit dem damals auch schon vollkommen entwickelten niedersächsischen Bauernhaus lässt auf ein hohes Alter schliessen. Es diente einem doppelten Zweck; es vereinte das Warenlager des Kaufmanns mit den Wohnräumen unter einem Dach. Dementsprechend war der Hauptraum des Hauses, die Diele, vorwiegend als Stapelplatz der Warenballen gedacht. Wir betreten das Haus (Abb. 1—2) von der Strasse aus durch einen Flur, an dem rechts und links je ein oder zwei Zimmer angeord-