EINLEITUNG
D as Gebiet mit dem sich die vorliegende Arbeit befassen will, umschliesst zeitlich etwa die Spanne von 1760—1850, die Zeit des Zopfstils, des Empire und des beginnenden Klassizismus, räumlich die Stadt Bremen mit ihrem Landgebiet.
Das lebhafte Interesse, das sich in unserem Zeitalter für die Baukunst dieser Epochen äussert, hat sich in einer Reihe von Werken ausgesprochen, die in den letzten Jahren sich vor allem mit dem Empire beschäftigen. Aber nur zwei davon enthalten Fassaden einiger Bremer Häuser, Zetzsche „Zopf und Empire“ sowie Paul Mebes „Um 1800“, ohne aber näher auf die Bremische Baukunst einzugehen. Ueber die Frage der Grundrissgestaltung vollends ist so gut wie gar keine Literatur vorhanden. Einige Zeilen in dem Buche „Stätten der Kultur III Bremen“ von Karl Schäfer sowie dem Sammelwerk „Bremen und seine Bauten“ stellen fast das Einzige dar, was über diesen Punkt geschrieben wurde. Und doch ist diese Zeit für Bremen von allergrösster Wichtigkeit; sie bedeutet die Entstehung des modernen Wohnhauses, wie es als „Bremer Haus“ heute weit bekannt und über viele Städte Nord-West- Deutschlands verbreitet ist.
Das Bremen des achtzehnten Jahrhunderts war eine wohlbefestigte freie Hansestadt, die sich auf einem Dünenzuge am rechten Weserufer erhob. Es war eine blühende Handelsempore, die Geschlechter wohlhabender Kaufherren hervorgebracht hatte und der auch die Wirren des dreissigjährigen Krieges auf die Dauer keinen wesentlichen Schaden hatten zufügen können. Ein starker Befestigungsgürtel umzog seit 1627*) die Alt- und die Neustadt (am linken Weserufer) die durch eine Brücke mit einander verbunden waren. Allerdings enthielt die Neustadt damals ausser wenigen Strassen mit den Katen der Aermsten nur weite Gärten im Besitze der wohlhabenden Familien und wurde wegen der hohen Unterhaltungskosten der Wälle bald zu einer schweren Last für die Bürgerschaft. Damals war ja noch nicht einmal die Altstadt voll bebaut; grosse Teile des Stephaniviertels wurden erst im achtzehnten Jahrhundert der Bebauung erschlossen. Wir müssen annehmen, dass Bremen, damals eine kleine Stadt, nur langsam wuchs, und dass um 1700 fast das gesamte Gebiet der Neustadt ausser den Strassen um den Neumarkt (Brautstrasse, Osterstrasse, Westerstrasse, Grosse Johannisstrasse) Gartenland war. Ganz allmählich begann die Stadt sich gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts
) Damals wurde der Festungsgürtel der Neustadt vollendet, den in den Jahren von 1623 bis 1627 der holländische Ingenieur v. Valkenburgh ausgeführt hatte. Die Wälle der Altstadt blickten schon auf ein bedeutend höheres Alter zurück.
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