Das Gartenhaus
(Grundrissbildung)
L enken wir unsere Schritte durch die vornehmeren Stadtviertel Bremens, so fallen neben den gewöhnlichen Einfamilienhäusern (Bremerhäusern) auch Wohnhäuser von drei oder fünf Axen Breite auf, bei denen der Eingang in der Mitte der Front liegt. Wir finden diese Gebäude vor allem an der Contrescarpe und der Kohlhökerstrasse, das heisst an Strassen mit. ursprünglich villenartiger Bebauung, die sich erst im Laufe der Zeit zu einer geschlossenen Bauweise ausgeglichen hat. Wir wollen diese Gebäude Gartenhäuser nennen, da sie anfänglich meist auf dem Gartenland der wohlhabenden Familien entstanden und sich erst langsam in den Vorstädten Kaum gewannen. Ueber ihren Ursprung herrschen die verschiedensten Ansichten. Während ihre Grundrisslösung von einzelnen als rein akademisch bezeichnet wird, halten sie andere für das Entwicklungsprodukt des alten doppelseitigen Kaufmannshauses und als solche waren sie auch auf den Blättern des Bremischen Gewerbemuseums für die Städtebauausstellung dargestellt.
Betrachten wir zunächst die Entwicklung des Grundrisses. Wie in der Einleitung besprochen, besassen im 17. Jahrhundert viele Bremer Familien in der damals fast noch unbebauten Neustadt ihre Gärten, vorwiegend am Deich und an der grossen Allee, wo sich heute die Fabriken und Packhäuser der Grossindustrie erheben. In diesen Gärten mit ihren zierlich beschnittenen Hecken und Laubengängen, wie wir sie auf den Stichen von Grönniger (1771—73) im Historischen Museum in Bremen dargestellt finden können, sind wohl die ersten dieser villenartigen Gebäude entstanden, wenn auch gegenwärtig nur noch zwei oder drei Gartenhäuser am Deich erhalten sind, die auch erst aus der Zeit nach 1820 stammen.
Das erste Haus, das gewissermassen die Spuren des Gartenhauses in sich trägt, liegt am Arsterdamm vor der Neustadt. Wir müssen annehmen, dass um 1700 dort ein Bremer reichen Gartenbesitz hatte und auf ihm ein Haus fast städtischer Art errichten liess, das später den Namen Mohrsches Vorwerk erhielt und ca. 1845 in den Besitz der Familie Poppe überging. Wir würden das Gebäude sicherlich zu den eigentlichen Landhäusern zählen müssen, wenn nicht seine Lage in der unfreundlichen fast baumlosen Gegend vor dem Buntentor dagegenspräche. Diese Lage hätte sicher einen wohlhabenden Bürger nie zur Erbauung eines Landhauses gereizt, wenn er nicht durch Landwirtschaft, Gemüsebau etc. daran gebunden gewesen wäre. Zudem entspricht das zweistöckige Haus
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