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Bd. 1 (1892)
Entstehung
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Der Schluß des Mittelalters.

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Hamburg, daß der König gegen ihn einschreiten mußte und ihn 1470 in Segeberg persönlich verhaftete. Erst nach mehreren Monaten wurde er gegen Verzicht auf die Pfandschaft entlassen. Im Oktober kaum nach Delmenhorst zurückgekehrt, begann er so­gleich einen Burgbau an der Weser, der ihm als Stützpunkt für seine Kapereien gegen die Länder König Christians uud die Hansestädte dienen sollte.

Daß Gerd noch länger als ein Jahrzehnt gegen seine zahl­reichen Feinde, den dänischen König, den Erzbischof Heinrich, die Städte Bremen, Hamburg und Lübeck, die ostfriesischen Häupt­linge und andere, sich zu halten vermochte, ja gelegentlich ihnen empfindliche Verluste zufügte, ist nur zu erklären durch die Plan­losigkeit der Kriegführung, das mangelhafte Zusammenwirken der Verbündeten uud die verschiedenartigen Interessen, die jeder von ihnen verfolgte.

Die Hansestädte hatten überdies gleichzeitig neben der fort­dauernden Fehde mit Frankreich auch einen schweren Kampf mit England zu bestehen. Die Verletzung ihrer Privilegien in Eng­land, eine Antwort auf die Weigerung der Städte, dem englischen Kaufmann in ihrem Gebiete gleiche Rechte einzuräumen, wie sie sie in England seit Alters genossen, hatte schon lange vielfache Streitigkeiten hervorgerufen, als im Zahre 1468 an einem Tage sämtliche deutsche Kaufleute in England gefangen gesetzt und ihrer Habe durch Beschlagnahme beraubt wurden. Die Hansestädte beantworteten die Gewaltthat dadurch, daß sie Auslieger in See schickten, die den englischen Handel schwer schädigten, während König Heinrich VI. uud Eduard IV. um die englische Krone rangen. Im Jahre 1471 ereignete sich das Seltsame, daß König Eduard mitten im Kriege mit der Hanse dennoch mit Hülfe ihrer Schiffe den Thron zurückgewann. Die dadurch gesteigerte Hoffnung der Städte, ihre Privilegien in England wiederhergestellt zu sehen, ließ aber auf ihre Erfüllung warten. Im Frühjahr 1472 lief