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Bd. 1 (1892)
Entstehung
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Drittes Kapitel.

nicht verringert, aber es erwuchs aus dem neuen Zustande für Bremen doch der Vorteil, daß es an Stelle des geeinten Rustringer- landes, mit dem früher auch das Stadland verbunden gewesen war, jetzt eine ganze Reihe unter einander hadernder Häuptlinge sich gegenüber sah. Namentlich wurde in dem an der Weser ge­legenen Teile des Landes nach und nach fast jeder Kirchturm der Stützpunkt einer besondern Häuptlingsherrschaft: so Strückhausen, Golzwarden, Schmalenfleth, Rodenkirchen, Esensham, Bleren, Burhave, Waddens, Langwarden, Oldersum/) Der westliche, an der Jade gelegene Teil aber, das sogenannte Viertel Bant, fiel mit dem Ostringer- und Wangerlcmde etwa um das Jahr 1370 dem glücklichsten und rücksichtslosesten aller dieser Häuptlinge zu, dem Edo Wummeken, der vierzig Jahre lang bald als gefürchteter Freund und bald als gefährlicher Feind seinen Nachbaren viel zu schaffen gemacht hat.

Die erste feindselige Berührung hatte Bremen mit einem der stadländischen Häuptlinge Husseke Hayen von Esensham. Er mußte im November 1367 unter Vermittelung der Gemeinde Rodenkirchen Frieden geloben. Im folgenden Jahre schloß sich Bremen einem Unternehmen der oldenburger Grafeu gegen die Rustringer an. Auch der alte Domdechant Graf Moritz nahm daran teil. Mit der stattlichen Zahl von siebenhundert Rittern, Knappen und Bürgern, unter denen viele bremische Ratsherren sich befanden, landete man am 20. Juli in Alexen. Der dortige Häuptling erbot sich, den Feinden seines Landes seine Kirche auf­zutragen, dafern sie sein Kirchspiel nicht beschädigen und ihm nach Bezwingung des übrigen Landes die Kirche zurückgeben würden. Aber die Führer ließen diesen deutlichen Hinweis auf die Schwäche der jetzigen Landeszustände unbeachtet und glaubten auch ohne einheimische Hülfe mit den Friesen fertig werden zu können.

*) Oldersum, ehemals an der äußersten Nordspitze Butjadingens gelegen, ist längst in den Fluten zu Grunde gegangen.