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Bd. 1 (1892)
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Bremen unter den Bischöfen.

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Sicherheit dürfen wir annehmen, daß unsere Schisser, die wenige Jahrzehnte später ein ganzes Heer von der Weser nach Lissabon führten, auch jetzt schon die ozeanischen Küstenplätze Frankreichs und Spaniens aufsuchten, vielleicht auch gelegentlich in das Mittel­meer fuhren.*)

Über den oberländischen Handelsverkehr Bremens fehlt es uns durchaus an Kunde aus dieser Zeit. Aber auch in viel späteren Perioden, für welche wir ungleich reichere historische Quellen haben, wird der Handelsverbindungen nur selten gedacht, deren beständiges Leben darum nicht minder sicher ist. So kann es denn keinem Zweifel unterliegen, daß der bremische Markt auch in dieser frühen Zeit schon einen regen Warenaustausch zwischen dem Oberlande und den nordischen Reichen auf Land- und Wasserstraßen vermittelte.

Erzbischof Friedrich war am 29. Januar 1123 gestorben, nachdem soeben der halbhundertjährige Streit zwischen Kaisertum und Papsttum durch das Wormser Konkordat zu einem Stillstande gebracht worden war. Unserm Erzbistum war in diesem Streite die große nordische Kirchenprovinz verloren gegangen, sollte nicht der wiederkehrende Friede ihm den Verlust wieder ersetzen? Schon Friedrich hatte in solcher Hoffnung den Urknndenschcch seiner Kirche durchmustert und was darin zur Begründung der hochgespannten Ansprüche fehlte, durch Verfälschung alter und Erdichtung neuer päpstlicher Bullen ergänzt. Was an neuen Momenten in die

*) Die Segelanweisung zur Fahrt durch den Kanal, die Straße von Gibraltar nach Marseille und von da über Sicilien nach dem heiligen Lande im Schot. 36 zu Adam scheint auf normannischen Quellen zu beruhen, wie der Ausgangspunkt Ripen und die Bezeichnung der Gibraltarstraße als Nar- vese, norwegisch Nioervasuud, vermuten läßt. Auch wird sie nicht von Adam selbst herrühren, sondern erst aus dem 12. Jahrhundert, als nach der Eroberung Jerusalems die Fahrt nach dem heiligen Lande gewöhnlich geworden war. Immerhin können wir annehmen, daß vereinzelt schon früher auch bremische Schiffe das Mittelmeer zu Handelszwecken besuchten.