Heft 
(2016) Bd. 13. Historismus und Gründerzeit I
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Schneider - Geschichte und Entfaltung der Bremer Baumwollbörse

iarie Schneider

ieschichte und Entfaltung der Bremer Baumwollbörse

n prominenter Stelle, mitten in der Innenstadt, eht Bremens ältestes und größtes Kontorhaus . nd prägt seit über 110 Jahren in wechselnder estalt die südliche Ecke des Marktplatzensem- les. Die heutige Erscheinung der Baumwoll- örse ist weitgehend das Ergebnis dreier Ent- icktungsphasen und resultiert aus einer ereig- isreichen Geschichte, die bis in unsere Zeit icht und weiter fortgeschrieben wird. Nicht ur von der Entstehung der Baumwollbörse, 'en baugeschichtlichen Stationen und dem Wiederaufbau, sondern auch von den aktuellen reignissen und Planungen rund um das Bau- erk soll der vorliegende Beitrag handeln.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland wurde ab der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts auch die Position Bremens als eehafen- und Handelsstadt beständig ausge- >aut, und Gesellschaft wie Kaufmannschaft wurden von einem Glauben an Fortschritt und Vachstum ergriffen. Vor diesem Hintergrund ersammelten sich mehrere Bremer Kaufleute, im den deutschen Baumwollhandel und Bre- nen als sein Zentrum zu stärken und auszu­bauen. In Anlehnung an die in Liverpool gülti­gen Marktbedingungen sollten Grundlagen und Bestimmungen geschaffen werden, die den be­sonderen Verhältnissen des Baumwollhandels gerecht würden. Diese Bemühungen mündeten am 1. Oktober 1872 schließlich in der Grün­dung des »Comit.es für den Bremer Baumwoll­handel«, das unter seinem späteren Namen »Bremer Baumwollbörse« weltweite Bedeutung erlangen sollte.

Zunächst richtete die Kommission ihre Ge­schäftsräume in der Neuen Börse am Markt­platz ein. Nach 25 Jahren erfolgreicher Tätigkeit war die Baumwollbörse indes so etabliert, der Import des Rohstoffs Baumwolle in solchem

Maße gestiegen, dass ein eigenes Domizil er­richtet und dem zunehmenden Platzbedarf ab­geholfen werden musste. Die in jener Zeit ge­planten Straßenerweiterungen, die dem stei­genden Verkehrsaufkommen Rechnung tragen sollten, ermöglichten der Baumwollbörse, ein zentral gelegenes Grundstück am Marktplatz zu erwerben. In ihrer Generalversammlung 1897 beschlossen die Mitglieder den Ankauf weiterer Anliegergrundstücke und den Bau eines eigenen Geschäftshauses. Aufgrund der Einstufung des Bauvorhabens durch den Senat als im öffent­lichen Interesse gelegen, wurde die Arrondie­rung des Grundstücks teilweise mithilfe des Enteignungsrechts durchgesetzt.

Der Wettbewerb

Es sollte ein Monumentalbau werden. Die Baumwollbörse strebte nach einem Haus, das ihrer internationalen Bedeutung Ausdruck ver­leihen und repräsentativen Zwecken gerecht werden konnte. Also wurde 1898 ein landes­weiter Architekturwettbewerb ausgeschrieben, der hohe Anforderungen an die Zweckdienlich­keit des Gebäudes und seine äußere Gestalt be­nannte. Neben dem geforderten, umfangreichen Raumprogramm legte die Auslobung vor allem eine optimale Grundstücksausnutzung und räumliche Flexibilität als wesentliche Bedingun­gen fest. Die Wahl des Baustiles war den Archi­tekten weitgehend freigestellt, nicht hingegen die Wahl des Baumaterials. Unter Ausschluss eines Putzbaus forderten die Richtlinien »ech­tes Material« für die Herstellung des Neubaus. Die Börse sollte der großen architektonischen Bedeutung des Bremer Marktplatzes gerecht werden und sich würdig in das Ensemble der

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