Heft 
(2016) Bd. 13. Historismus und Gründerzeit I
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Schwartz - Johann Georg Poppe (1837-1915)

Uwe Schwartz

Unter den freischaffenden Architekten in Bremen stand er an der Spitze: Johann Georg Poppe (1837-1915)

Nur wenige Architekten haben sich im 19. Jahr­hundert in Bremen durch besondere architek­tonische Entwurfsleistungen hervorgetan. Das lag zum einen daran, dass die Masse der Wohn­hausbauten von kleinen Bauunternehmern er­richtet wurde, die eine Ausbildung als Maurer­oder Tischlermeister erhalten hatten oder viel­leicht eine der zumeist staatlichen Bauschulen besucht hatten, und zum anderen daran, dass die öffentlichen Bauten in den meisten Fällen von der staatlichen Hochbauverwaltung geplant und errichtet wurden, die ihre Baubeamten in der Regel selbst an der Bauschule ausgebildet hatte. Sich als Architekt zu bezeichnen, setzte das Studium und die abschließende Staats­prüfung an einer Bauakademie, wie der in Berlin, oder an einer Polytechnischen Hoch­schule (Polytechnikum) voraus. Polytechnische Hochschulen wurden im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts beispielsweise in Hannover (1831), München (1827), Stuttgart (1829) und Karlsruhe (1825) gegründet.

Ein angehender freischaffender Architekt konnte also seine Ausbildung nicht in Bremen erhalten, und wenn er diese andernorts erhalten hatte, gab es anschließend auch nur wenige Bau­aufgaben. Außerdem war ein gewisser Wohl­stand der Familie die Voraussetzung, um sich diesem damals noch sehr exklusiven Studium widmen zu können. Johann Georg Poppe hatte diese Möglichkeit, weil er in eine alteingeses­sene Baumeisterfamilie hineingeboren worden war, die offensichtlich zur Mitte des Jahrhun­derts die finanziellen Möglichkeiten hatte, ihm ein mehrjähriges Studium zu ermöglichen.

Geboren ist Johann Georg Poppe am 12. September 1837 in Bremen; er verbrachte seine Kindheit und Jugend im Hause der Fami­lie Herrlichkeit 25, das sein Großvater, der

gleichnamige Ratszimmermeister Johann Georg Poppe (1769-1826), nur wenige Häuser von der städtischen Baubehörde entfernt auf der Teerhofinsel errichtet hatte. Mit 17 Jahren trat er bei seinem Onkel, Maurermeister Wilhelm Poppe, in die Lehre und begann ein Jahr darauf, im Herbst 1855, sein vierjähriges Hochschul­studium als Korpsstudent am Polytechnikum in Karlsruhe.

Das Polytechnikum im Karlsruhe war da­mals eine der modernsten Lehranstalten seiner Art. Unter der Direktion von Heinrich Hübsch (1795 -1863) hatte sich dort seit 1825 eine Lehre etabliert, die sich gegen den biedermeierlichen Klassizismus wandte und freimütig die Adaption historischer Stile förderte. »In welchem Style

Johann Georg Poppe im Alter von 19 Jahren, Lithografie von B. Weiß, 1856

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