Barfuß - Handel und Wandel im »Goldenen Zeitalter« Bremens
Karl Marten Barfuß
Handel und Wandel im »Goldenen Zeitalter« Bremens
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Jahrhundertelang verdankte Bremen seinen Reichtum im Wesentlichen Handel und Schifffahrt; sie wurden im 19. Jahrhundert auch zur Basis seiner industriellen Entwicklung und sind bis heute prägendes Fundament seiner Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur geblieben. Politisch setzte bis zum Ersten Weltkrieg das durch die Landesverfassung, Wohlstand und Bildung privilegierte Großbürgertum die entscheidenden Akzente; erst mit der späten Industrialisierung Bremens erstarkte rasch auch die Arbeiterbewegung, die der bürgerlichen Herrschaft den Rang streitig zu machen begann und bereits 1890 mit Julius Bruhns (1860-1927) einen eigenen Abgeordneten in den Reichstag entsandte.
Auf die wirtschaftliche Blütezeit in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit dem Nordatlantikhandel als Schwerpunkt folgte im 19. Jahrhundert der Einfuhrhandel mit Rohstoffen wie Tabak, Baumwolle, Kaffee, Reis, Tropenholz, Petroleum und Wolle, von denen, besonders seit dem Zollbeitritt Bremens 1888, ein nicht unerheblicher Teil in der Hansestadt selbst weiterverarbeitet wurde. Mit dem Zollbeitritt begann für Bremen ein »Goldenes Zeitalter«, in dem sich neben Handel und Schifffahrt neue Gewerbe und Industrien erfolgreich entwickeln konnten und die Einwohnerzahl in die Höhe schoss. Bis dahin war Bremen im Interesse seines Überseehandels noch über die Gründung des Kaiserreichs (1871) hinaus Zollausland geblieben, umgeben von wachsenden Zollmauern des Deutschen Zollvereins zum Schutz vor allem gegen die englische Konkurrenz, die zugleich den Export bremischer Fertigerzeugnisse in das Kaiserreich erschwerten. Die verspätete Industrialisierung Bremens erwies sich allerdings insofern als Vorteil, als die neu gegründeten Unternehmen mit modernster
Technologie ausgestattet waren und sich dadurch ihre Konkurrenzfähigkeit sicherten.
Einen wesentlichen Einschnitt für die Entwicklung der bremischen Wirtschaft bedeutete zunächst die Auflösung des alten Deutschen Reichs: Durch den Reichsdeputationshaupt- schluss (1803) konnte sich Bremen kurzzeitig seine handelspolitische Neutralität sichern; zugleich wurde die Stadt territorial erweitert und vereinheitlicht. Nachdem Bremen noch 1806 der Titel einer »Freien Hansestadt« zugesichert worden war, verlor die Stadt jedoch noch im selben Jahr durch die französische Besetzung ihre Souveränität wieder und wurde politisch degradiert. Die von Napoleon 1806 verfugte Kontinentalsperre schnitt Bremen bis 1814 von seinen überseeischen Märkten ab und raubte der Stadt die wirtschaftliche Basis. Handel, Gewerbe und Schifffahrt erlebten eine existentielle Krise, die längere Zeit ihre Spuren hinterließ.
Nach der von Frankreich verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 zogen die napoleonischen Truppen aus Bremen ab. Auf dem Wiener Kongress wurde 1815 der Deutsche Bund als Staatenbund gegründet; durch die geschickte Politik des Bürgermeisters Johann Smidt (1773-1857) konnte Bremen seine Selbständigkeit wiederherstellen und gleichzeitig seine territorialen Erweiterungen sichern; im Innern blieben die politischen Verhältnisse jedoch weitgehend restaurativ. Münz- und Postwesen verblieben ebenso in der Hoheit der einzelnen Territorien wie die Handelspolitik. Als Erste nutzten die süddeutschen Bundesstaaten diese Autonomie zur Einführung von Schutzzöllen durch Bildung eigener Zollverbände; 1834 wurde dann in Regie Preußens der Deutsche Zollverein gegründet, in dem die süddeutschen Zollunionen aufgingen und dem
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