kmalpflege in Bremen Heft 13
Villa Ichon, Goetheplatz 4, 1871, seit 1893 Poppes Privathaus
damals noch mit der Adresse Altenwallcon- trescarpe 4, gehörte dem Privatmann Rudolf Feuerstein. Dieser beauftragte Poppe mit einem tief greifenden Umbau, der schon einem Neubau nahekam. Offenbar sind von dem ursprünglichen Gebäude nur eine Seitenwand und das Treppenhaus erhalten geblieben (Lammek 1982), entsprechend wird es auch in »Bremen und seine Bauten«, erschienen 1900, als Neubau Poppes aufgeführt. Poppe nutzte die prominente Ecklage des Hauses am Rande der Wallanlagen, um hier erstmals in seinem Werk eine durch Rustizierung der Wandflächen, durch säulengerahmte und mit Friesen geschmückte Fensteröffnungen, Zwerchhäuser, Türme und Balustraden reich, vielleicht überreich, gegliederte Fassade in den Formen der Renaissance zu präsentieren, eine Architektur, wie sie im An- schluss an den deutsch-französischen Krieg 1870/71 und die anschließende Reichsgründung gerade modern wurde. Poppe investierte viel in diesen frühen Entwurf, so viel, dass er das Haus
auf der Höhe seines Ruhms 1893 für sich selbst erwarb und dort 1895 einzog. Er veränderte dann kaum noch etwas, nur den Sandsteinerker neben dem Eingang, eine translozierte Utlucht vom Haus Pelzerstraße 35, ließ er vom Architekten Fritz Dunkel einfügen. Im Inneren haben sich bis heute wandfeste Einbauten und Stuckdecken nach Entwürfen Poppes erhalten.
Vielleicht öffnete der für die Bremer Gesellschaft bestimmt spektakuläre Umbau der Villa Ichon Johann Georg Poppe die Tür zu den gut situierten Kreisen des Bremer Bürgertums. Zumindest bildete er den Anfang zu einer Reihe von Aufträgen reicher Bremer Bürger für große Stadthäuser und Landhäuser, letztere teilweise in den Dimensionen von adeligen Schlossbauten. Die ersten dieser bürgerlichen Schlossbauten, die Poppe in den frühen 1870er-Jahren im Bremischen Landgebiet Horn errichtete, sind stilistisch mit ihrem »castellated style« noch der englischen Tudor-Gotik verpflichtet und
Treppenhaus der Villa Ichon