Vorgeschichte.
^as Deutsche Reich ist — abgesehen von der Nordamerikanischen Union — die jüngste der Kolonialmächte. Man hat uns spöttisch mit dem Dichter verglichen, der bei der Verteilung der Welt durch Zeus träumend abseits geblieben ist und nun das Nachsehen hat.
Und doch hat das deutsche Volk von seinem Eintritt in die Weltgeschichte an sich kolonialpolitisch betätigt. Nachdem die große Wanderung der Völker zum Stillstand gekommen war und die von dem Germanentum aus den Trümmern des römischen Imperiums errichteten Reiche anfingen, sich zu eigenen politischen und nationalen Lebewesen auszuwachsen, da war es unter ihnen gerade das zwischen Elbe und Vogesen sich ausdehnende ostfränkische Reich, das von Anbeginn an eine der wichtigsten kolonisatorischen Aufgaben der Weltgeschichte übernahm. In jahrhundertelanger Arbeit wurden die Länder östlich der Elbe dem Slawentum entrissen und der Kultur, dem Christentum und dem Deutschtum gewonnen. Es ist ein unvergängliches Verdienst der wölfischen Sachsenherzöge, daß sie für die Wichtigkeit und realpolitische Bedeutung der hier zu lösenden Aufgabe Verständnis zeigten und zugunsten ihrer Durchführung den Staufen- kaisern für ihre Römerfahrten und Kreuzzüge die Heerfolge versagten. Den glorreichen Abschluß dieser Kolonisationsarbeit bildet die Eroberung Preußens durch den Deutsch-Ritterorden und die sich daran schließende Germanisiernng der baltischen Küste. Brandenburg-Preußen, unter dessen Führung sich die nationale Einigung Deutschlands vollzog, ist selbst Kolonialland, und die Hauptstadt des Reiches, Berlin, liegt auf kolonialem Boden. Das bietet einen nicht zu verachtenden Fingerzeig für die Entwicklung der Zukunft.
Es gehört nicht in den Rahmen dieser Festschrift, eingehender die Kolonisation des deutschen Ostens zu behandeln. Die glänzenden Leistungen, die unsere Vorfahren hier erzielten, sind jedem, der sich auch nur oberflächlich mit deutscher
Frühere
kolonialpolitische Betätigung des deutschen Volkes.
Deutsche Kolonialgesellschast.
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