III. Kautschuk, Guttapercha und Balata 1 ).
Der Weltverbrauch von Kautschuk und Guttapercha ist seit zwei Menschenaltern außerordentlich gestiegen, und zwar im engen Zusammenhang mit der Entwicklung vor allem der elektrischen Industrie und dem Aufblühen der Fahrrad- und Automobil-Industrie. Während im Jahre 1830 erst 230 Tonnen Kautschuk nach Europa kamen, und im Jahre 1840 noch 400 Tonnen den Gesamtweltkonsum deckten, war dieser im Jahre 1906/07 (1. Juli bis 30. Juni) auf 68 173 Tonnen und die gesamte Weltproduktion auf 74023 Tonnen angewachsen.
Auch Deutschland hat an der Steigerung des Weltkonsums in erheblichem Maße teilgenommen. Wie stark sein Verbrauch von rohem oder gereinigtem Kautschuk, Guttapercha, Balata u. dgl. in den letzten 20 Jahren gestiegen ist, zeigt die umstehende Übersicht (s. Tabelle S. 58).
Diese Zahlen zeigen, daß der Verbrauch von Kautschuk und Guttapercha in den letzten zwei Jahrzehnten auf das Siebenfache gestiegen ist. Der größte Teil des eingeführten Rohstoffes wird für die Bedürfnisse des eigenen Landes benötigt und gelangt in unseren Elektrizitätswerken, Maschinen- und Fahrzeugfabriken zurVerarbeitung. Daneben hat sich jedoch die deutsche Gummiindustrie in starkem Maße zur Exportindustrie entwickelt. Während die ersten Kautschuk
b Kautschuk, Guttapercha und Balata sind die Produkte aus dem hauptsächlich in der Rinde dreier verschiedener Pflanzengruppen enthaltenen Milchsaft. Sie zeigen trotz naher chemischer Verwandtschaft einige sie voneinander unterscheidende Eigenschaften. So besitzt Guttapercha im Gegensatz zum Kautschuk die Fähigkeit, in der Wärme knetbar zu sein und nach dem Erkalten die ihm gegebene Form beizubehalten, während ihm die Elastizität fehlt. Balata zeigt mehr Verwandtschaft mit Guttapercha als mit Kautschuk.
Beihefte zum Tropenpflanzer, 1909. Heft 2.