II. Baumwolle.
Zunächst soll untersucht werden, welche Bedeutung der wichtigste der kolonialen Rohstoffe, die Baumwolle, für unsere wirtschaftlichen Verhältnisse, besonders auch für unsere Arbeiterverhältnisse besitzt, und welche Folgeerscheinungen sich aus der bisherigen Art der Befriedigung unseres Bedarfs an diesem Rohstoff ergeben.
Die Baumwolle stellt längst nicht mehr, wie in früheren Zeiten, einen Luxusartikel dar, sondern ist in allen Kulturländern der unentbehrliche Grundstoff für die Gewebeindustrie geworden. Baum- wollfabrikate sind heute Massenartikel, deren alle Bevölkerungskreise bedürfen.
Wie stark der Baumwollbedarf gerade in Deutschland in den letzten 25 Jahren gestiegen ist, zeigt die folgende Tabelle über die Einfuhr von roher Baumwolle nach Deutschland. Es wurden eingeführt: (s. Tabelle S. 50).
Die Einfuhr von Rohbaumwolle hat sich demnach in den letzen 25 Jahren sowohl der Menge wie dem Werte nach verdreifacht, und der Verbrauch von Baumwolle auf den Kopf der Bevölkerung, der in Deutschland 1840 nur 0,3 kg betrug, ist bis 1895 auf 5 kg, bis 1900 auf 6 kg und inzwischen weiter auf fast 7 kg, also rund um das Zwanzigfache gestiegen und übertrifft den früher vorherrschend gewesenen Verbrauch von Schafwolle, der am Anfang des vorigen Jahrhunderts den Baumwollverbrauch um das Doppelte überstieg, schon um das Mehrfache.
Die gesteigerte Verarbeitung der Baumwolle ist für die gewerblichen Verhältnisse Deutschlands von der weittragendsten Bedeutung geworden. Rohbaumwolle steht in unserer Einfuhr mit mehr als x / 2 Milliarde M an erster Stelle und dient nicht nur dem heimischen Konsum, dem sie eine billige Kleidung sichert, sondern gibt auch