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Unsere Kolonialwirtschaft in ihrer Bedeutung für Industrie und Arbeiterschaft
Entstehung
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I. Einleitung.

Im nachstehenden soll versucht werden, die wirtschaftlichen Wechselbeziehungen zwischen der kolonialen Produktions- und Kon­sumfähigkeit und den einheimischen Arbeitsverhältnissen auf statistischer Grundlage darzulegen.

Das Bedürfnis nach kolonialer Ausdehnung unserer Volkswirt­schaft ist begründet in der starken Zunahme der Bevölkerung zur Zeit nahezu i Million jährlich und in der dadurch veranlaßten schnellen Erstarkung der Industrie. Nach den Berufszählungen betrug:

1882 1895

(in Millionen)

Die Gesamtbevölkerung'.45,2 51,8

darunter im Haupt- I Landwirtschaft.... 5,9 5,6

beruf erwerbstätige ' Industrie usw. 4,1 6,0

Arbeiter ( Handel.0,7 1,2

10,7 12,8

Die Zählung von 1907 hat eine Bevölkerung von 61,7 Millionen Einwohnern festgestellt und wird nach zuverlässiger Schätzung min­destens 8 Millionen Arbeiter ergeben, die im Gewerbe hauptberuf­lich erwerbstätig sind.t)

Danach hat sich die Gesamtbevölkerung Deutschlands in den letzten 25 Jahren noch nicht um die Hälfte vermehrt, die Zahl der Industriearbeiter dagegen verdoppelt. Bei der geographischen und territorialen Beschränkung des einheimischen Wirtschaftsgebietes ist die ständig anwachsende Masse der Arbeiter, soweit nicht innere Kolonisation und eigener Bedarf der Landwirtschaft teilweisen Ab-

x ) Vgl. Rechnungsergebnisse der Berufsgenossenschaften für 1907; Amtliche Nachrichten des Reichsversiclierungsamts, Nr. 1 vom 15. Januar 1909.