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Deutschland unter den Weltvölkern : Materialien zur auswärtigen Politik / von Paul Rohrbach
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Drittes I^axitet.

Der europäische ^üdosten; das Gsmanische Reich und Gsterreich-Ungarn.

ie Erörterung des Frontwechsels der russischen Politik in den Balkansragen hat uns bereits mitten in die Erkenntnis der Tat­sache hineingeführt, daß wir selbst heute derorientalischen Frage" mit Notwendigkeit sehr viel anders gegenüberstehen, als es zur Zeit des Berliner Kongresses und selbst noch der Battenbergischen Affaire der Fall war.

Als Kronprinz Rudolf von Österreich, bald nach dem Kongreß von 1878, einmal in Berlin war, äußerte er einem englischen Diplomaten gegenüber, daß man in Wien jetzt nichts mehr gegen die Besetzung Kon­stantinopels durch die Russen hätte, wenn zugleich die Standarte der Habs­burger iu Saloniki entfaltet würde. Das Wort kam an die Öffentlichkeit und Lord Houghton, dem gegenüber es gefallen war, gab in der Times ausdrücklich seine Richtigkeit zu. Wir haben bereits gesehen, daß ein russisches Konstantinopel uns vielleicht neutral lassen, ja unser direktes Wohlwollen finden könnte. Mit einem österreichischen Saloniki brauchte es an sich nicht anders zu stehen. Beides aber gilt nur uuter einer sehr bestimmten Voraussetzung, nämlich der, daß die Türkei nicht zugleich aufhörte, als selbständige lebens-und widerstandskräftige Größe zu existieren.

Rußland hat die Erfahrung machen müssen, daß die Balkanslaven und ganz besonders Bulgarien, auf das es die stärksten Hoffnungen gesetzt hatte, sich in einer viel selbständigeren und auf ihre Selbständigkeit eifer­süchtigeren Art entwickelt haben, als man das vor und unmittelbar nach