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Deutschland unter den Weltvölkern : Materialien zur auswärtigen Politik / von Paul Rohrbach
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Hr/ies Kapitel.

Die Änderung in den materiellen Daseinsbedingungen Deutschlands seit der Epoche der Reichsgründung.

er die Reden und Aufzeichnungen Bismarcks studiert die größte organische Offenbarung politischen Verstandes, die wir besitzen um von hieraus an der Konstruktion der Richtlinien seines nationalen und staatlichen Denkens zu arbeiten, der wird an vielen und wichtigen Stellen auf den Ausdruck der Überzeugung des Fürsten stoßen, Deutschland habe an Ausdehnung seines territorialen Besitzes und seiner politischen Machtsphäre erreicht, wessen es bedürfe; es sei, nach Bismarckischem Sprachgebrauch,saturiert". Mit besonderer Vorliebe spricht Bismarck diese Überzeugung überall dort aus, wo es sich darum handelt, dem Argwohn der auswärtigen Staaten entgegenzutreten, als ob die Ereignisse von 1864 bis 1871 nur die Einleitung zu einer Epoche weiterer preußisch-deutscher Eroberungen in Europa gewesen seien. In der Tat mußte es auf den ersten Blick nicht überflüssig erscheinen, solche Versicherungen in aller Bestimmtheit zu wiederholen, denn fast rings um die Grenzen des gegenwärtigen deutschen Reiches lagen die Verhältnisse so, daß vom Standpunkt unserer Nachbarn aus ein gewisses Mißtrauen gegen­über unserem faktischem Sättigungsgefühl begreiflich erschien. Gegen Rußland hin ist unsere politische Grenze eine ausgesprochen ungünstige, insofern es hier stets schwierig sein wird, zu verhindern, daß bei einem kriegerischen Zusammenstoß die lang und schmal längst der Ostsee sich hin- dehnenden preußischen Provinzen nicht durch einen von Russisch-Polen aus

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