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Betriebsverhältnisse der Farmen des mittleren Hererolandes (Deutsch-Südwestafrika) / von Johannes Gad
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I. Die Grundlagen der Farmwirtschaft.

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gewiß frisch waren und mit aller Vorsicht behandelt und angebaut wurden, ja, obgleich sie bei ausbleibenden Regen begossen wurden (in einer, einem nicht starken Regen entsprechenden Wassermenge), so kam doch nicht eine einzige Pflanze zur Keimung. Es liegt die Vermutung nahe, daß die Ursache im Uber­see-Transport liegt. Denn andrerseits sammelte ich gleich nach der Regenzeit, im Mai 1912, Samen von südwestafrikanischen Gräsern ein und sandte sie Herrn Geheimrat Prof. Dr. Wohltmann nach Halle, wo sie im Garten des landwirtschaft­lichen Institutes wachsen sollten. Trotz sorgfältigster Behandlung kam auch von diesen Sämereien keine einzige zur Keimung.-

Wir möchten diesen Abschnitt nicht schließen, ohne noch zuvor zu er­wähnen, daß es von sehr großer Wichtigkeit ist, daß die vorhandene Weide auch wirklich gut ausgenutzt werde. Es ist eine der allerwichtigsten Aufgaben eines jeden Farmers, seine Weide genau kennen zu lernen und die Verhältnisse seiner ganzen Farm in dieser Hin­sicht durch eigenen Augenschein sorgfältig zu studieren; an­gesichts der Größe der Farmen gewiß keine geringe Arbeit, deren Bedeutung aber noch lange nicht genügend erkannt wird; hier darf Mühe und Anstrengung nicht ge cheut werden. Denn nur der Farmer, der seine Farm ge- nauestens kennt, kann sagen, welche Tierarten und vor allem in welchem gegenseitigen Verhältnis diese zu halten sind, um die Farm voll aus zu nutzen. Auch ist es eine wesentliche Aufgabe des Farmers, sich seine Weide zweckmäßig einzuteilen, den Herden die jeweiligen Weidebezirke zuzuweisen und endlich darüber zu wachen, daß seine Dispositionen auch pünktlich befolgt werden. Das sind die Mittel, durch die in Südwest das Auge des Herrn das Vieh fett machen kann.

Endlich kann die Weide natürlich auch dann nur gut ausgenutzt werden, wenn genügende Tränkplätze gut verteilt zur Verfügung stehen. Und so ist auch für die Weide die Frage der Wassererschließung von Bedeutung.

4. Das Wasser.

Die Wassererschließung ist von der allergrößten Bedeutung, nicht nur für die Ausnutzung der Weide, sondern für jegliche Wirtschaft in Südwest-Afrika überhaupt. Ist die Bereitstellung genügender Wassermengen doch geradezu eine Lebensfrage für Mensch und Vieh. An Wasserstellen entstanden die ersten Siedlungen, der wasserlose Wüstenstrich entlang der Küste unserer Kolonie ver­hinderte durch lange Zeit ihre Erschließung.

Die Wasserfrage hängt naturgemäß mit den klimatischen Verhältnissen des Landes auf das engste zusammen. Und was uns die Natur in dieser Hinsicht bietet, wurde schon bei der Schilderung der Regenverhältnisse angeführt. Allein, im Gegensätze zu Boden, Klima und Weide haben wir es bei der Darstellung der Wasserverhältnisse nicht nur mit dem von der Natur Gebotenen zu tun. Denn in Form von Regen steht uns das Wasser für unsere Zwecke nicht ohne weiteres zur Verfügung; hier muß die menschliche Arbeit und Kunst Werte schaffend einsetzen. Und so wird die Frage der Wassererschließung zu einer wirtschaftlichen und zwar zu einer solchen von grundlegender und höchster Be-