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I. Die Grundlagen der Farmwirtschaft.
2. Bas Klima.
Das Klima ist es, welches die unveränderlichen Grenzen bestimmt, innerhalb deren sich die Pflanzenproduktion, wie überall, so auch in Deutsch-Südwest- Afrika, stets bewegen wird. Seinen Einfluß auf die Vegetation auszuschalten sind wir außerstande; umso wichtiger ist es, uns über diesen klar zu sein. Die genaue Kenntnis der klimatischen Verhältnisse des Landes ist daher von besonderer Bedeutung. Da man diese von vornherein erkannt hat und da die klimatischen Verhältnisse der Kolonie weit augenfälliger von den unsern abweichen, als dies z. B. bezüglich der Bodenverhältnisse der Fall ist, so kommt es, daß heute bereits ein ansehnliches Material an meteorologischen Beobachtungen zusammengetragen ist. Es reicht dies aus, ein ungefähres Bild vom Klima des Landes zu entwerfen; ehe wir freilich so weit sind, die besonderen, für unser Land geltenden klimatischen Gesetzmäßigkeiten zu erkennen oder gar auf Grund dieser Kenntnis auch nur einigermaßen zuverlässige Prognosen zu stellen, wie dies der Wetterdienst Deutschlands schon vermag, und wie es besonders in Bezug auf Eintritt von Frösten und Regen von großer praktischer Bedeutung wäre, ehe wir soweit kommen können, werden umfassende Beobachtungen auf einem noch bedeutend erweiterten Netz von über das ganze Land systematisch verteilten Stationen viele Jahre hindurch nötig sein. Umso erfreulicher ist es, daß die Regierung am Werke ist, das vorhandene immer mehr auszubauen. Konnten doch 1912 bereits neben den Berichten von 15—20 Stationen II. Ordnung auch schon die Aufzeichnungen von 350 Regenmeß-Stationen veröffentlicht werden. Bei der großen Bedeutung, die gerade der Verteilung des Regens in einem Lande wie Südwest-Afrika zukommt, ist es besonders zu begrüßen, daß die Farmerschaft die Regierung durch die Bedienung dieser Stationen tatkräftig unterstützt.
Das mittlere Hereroland liegt noch vollständig innerhalb der Wendekreise, gehört mathematisch-geographisch also den Tropen an. Klimatisch jedoch ist es ein subtropisches Steppenland, dem Regenmangel und starke Temperaturschwankungen (vor allem tägliche) charakteristisch sind.
Wärme und Feuchtigkeit sind es, die in erster Linie das Pflanzenwachstum beeinflussen und die für die einzelnen Gewächse die Grenzen ziehen, innerhalb deren sie noch gedeihen können. In beider Hinsicht liegen die Verhältnisse in Südwest nicht günstig.
Bezüglich der Wärme kommt dreierlei in Betracht. Was zunächst die Gesamt-Wärmemenge anbelangt, die innerhalb einer Vegetationsperiode zur Verfügung steht, so ist diese praktisch ohne Bedeutung. Denn sie ist so groß, daß sie für alle Pflanzen, welche, anderer Faktoren wegen, überhaupt in Betracht kommen, völlig ausreicht. Auch was die Verteilung der Gesamtwärmemenge auf die einzelnen Monate betrifft, so ist diese eine so günstige, daß sich ihre besondere Betrachtung erübrigt. Aber bezüglich der Temperatur-Extreme liegen die Dinge ungünstig. Was das Klima besonders auszeichnet, sind die sehr bedeutenden täglichen Temperatur-Schwankungen. Sie werden bedingt: einesteils durch die Höhenlage des ganzen Gebietes, die mit 1000—1500 m angenommen werden kann, sowie durch den kontinentalen Charakter des Klimas, andererseits durch die Wolkenlosigkeit während eines großen Teiles des Jahres; diese läßt