I. Die Grundlagen der Farmwirtschaft.
A. Die natürlichen Grundlagen.
1. Der Boden.
Die Schilderung der Bodenverhältnisse — wie die der natürlichen Grundlagen der südwest-afrikanischen Farm Wirtschaft überhaupt — kann, so bedeutungsvoll sie auch erscheinen mag, nur eine kurze sein. Denn die naturwissenschaftliche Erforschung der Kolonie läßt, wie auf den meisten Gebieten, so auch auf dem der Bodenuntersuchung, zur Zeit noch viel Wichtiges zu wünschen übrig. Nur die allgemeine geologische Betrachtung ermöglicht es uns heute, ein annäherndes Bild des von der Natur Gebotenen zu entwerfen.
Der geologische Aufbau des Landes und die vorwiegend wirksamen und wirksam gewesenen Verwitterungsarten bedingen seine Oberflächengestaltung und damit die natürliche Lage des Bodens. Und die Betrachtung der gleichen Faktoren gestattet uns — bis zu gewissem Grade wenigstens — auch ein Urteil über die mechanische und chemische Zusammensetzung der Böden im landwirtschaftlichen Sinne zu fällen und sie auf Grund dieses Urteils wirtschaftlich zu werten.
So sei zunächst eine Schilderung des geologischen Aufbaues unseres speziellen Arbeitsgebietes gegeben. Sie kann um so knapper sein, als zu ihrer Ergänzung — vor allem auch über die Grenzen des mittleren Hererolandes hinaus — auf die Schilderung des gesamten Hererolandes und seiner Nachbargebiete hingewiesen werden kann, wie sie Paul Rohrbach in seinem Werke „Deutsche Kolonialwirtschaft, I. Bd.: Südwestafrika“ im Kapitel I geboten hat.
Es sei daran erinnert, daß als Grenzpunkte für das mittlere Hereroland, wie es für vorliegende Arbeit in Betracht kommt, die folgenden festgelegt worden sind: im NW das Paresis-, im SW das Erongo - Gebirge; im SO die Onjatiberge und im NO der große Waterberg.
Das zwischen diesen natürlichen Grenzpfählen gelegene Land ist ein sandigfelsiges, ungewöhnlich langgewelltes, stellenweise selbst ebenes Hochplateau. Sein Felsgerüst wird teils von Gneis und Granit, teils von wenig geneigten und nicht gefalteten Sandsteintafeln gebildet.
Gleiches Material bilden auch die inselartig über das ganze Hochland zerstreut gelegenen Berge und Hügel. Soweit diese aus Sandstein bestehen, zeigen sie, wie der Waterberg oder der dem Omatako nordwestlich nahe gelegene Etjo, den für ganz Südafrika so charakteristischen Tafelberg-Typus. Die aus Primitivgesteinen aufgebauten Erhebungen hingegen steigen, meist unvermittelt,