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Betriebsverhältnisse der Farmen des mittleren Hererolandes (Deutsch-Südwestafrika) / von Johannes Gad
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I. Die Grundlagen der Farmwirtschaft.

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Auf zwei Farmen, auf Ovituo Besitzer V. Cogho und auf Okamita Besitzer W. Sobtjek hat der Verfasser, während sie ihm zu Stützpunkten für seine Reisen dienten, Stationen II. Ordnung eingerichtet und dank der freundlichen Hilfe der Besitzer auf ersterer von Juli bis September, auf letzterer von Oktober bis Dezember in Betrieb erhalten können. Die Resultate werden in Heft 22 der Deutschen überseeischen Meteorologischen Berichte seitens der Deutschen Seewarte auszugsweise veröffentlicht werden. Da sich die Hoffnung des Verfassers, die Station möge auf einer der Farmen dauernd bestehen bleiben, nicht erfüllt hat, genüge an dieser Stelle der Hinweis auf jene Veröffentlichung. Die Beobachtungen erstrecken sich auf zu kurze Zeit, um an sich ein Bild des Klimas zu bieten.

Endlich sei noch darauf hingewiesen, daß das Klima des mittleren Herero­landes dem Europäer nicht nur den dauernden Aufenthalt ungefährdet seiner Gesundheit gestattet, sondern daß es ihm auch erlaubt, selbst körperliche Arbeit zu leisten. Nur auf wenigen Farmen tritt zur Regenzeit Malaria auf; und meist sind es nur die Eingeborenen, die vom Fieber befallen werden. Hagel ist auf vielen Farmen in verschiedenen Jahren beobachtet worden, ohne daß seinem Auftreten indessen eine wirtschaftliche Bedeutung beizumessen ist.

3. Die Weide.

Wer Deutsch-Südwest-Afrika nicht aus eigener Anschauung kennt, der mag es vielleicht fraglich halten, ob der Weide bei der Besprechung der natür­lichen Grundlagen der Farmwirtschaft ein Platz neben der Schilderung des Bodens und der des Klimas gebührt. Jedem aber, der das Schutzgebiet, auch noch so flüchtig, besucht hat, dem wird dies gewiß selbstverständlich erscheinen.

Denn die Weide Südwests, an deren Bildung sich fast die ganze Flora des Landes beteiligt, tritt uns entgegen als etwas, unter den eigentümlichen natür­lichen und vor allem klimatischen Verhältnissen der Kolonie durch Anpassung an diese sowie durch Selektion mit Naturnotwendigkeit Entstandenes. Und so ist sie auch zu dem hervorragendsten landschaftlichen Merkmal des Schutz­gebiets geworden.

Ihr hoher wirtschaftlicher Wert liegt gerade darin begründet, daß sie ein Produkt aller hier wirkenden Faktoren diesen so vollkommen wie nur möglich angepaßt ist. Ihr von der Natur selbst geschaffener Wert ist ein so hoher, daß ihn zu steigern, menschlichen Eingriffen kaum gelingen dürfte. Nur wo er durch unsere Maßnahmen ungewollt verringert wird, kann es unsere Auf­gabe sein, solche Schäden gutzumachen. Im übrigen aber haben wir ihn dankbar als Naturgeschenk entgegenzunehmen, bestrebt, ihn so gut wie möglich auszunutzen und in dem Bewußtsein, daß es sich wohl lohnt, auf diesem naturgewordenen Werte die Wirt­schaft des Landes vertrauensvoll und zielbewußt aufzubauen.

Das mittlere Hereroland weist sowohl reine Grassteppe auf, die sogenannten Flächen, wie auch, und zwar zumeist, Strauchsteppen von sehr wechselnder Dichte, die für gewöhnlich kurzweg alsBusch bezeichnet werden. Ihr Charakter wechselt von ganz lichten Stellen, wo die wenigen, kaum mannshohen Sträucher