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Die deutschen Kolonien (Land und Leute) : zehn Vorlesungen / von Adolf Heilborn
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Kiautschou.

dem Norddeutschen Lloyd über Sidney und wird von hier aus durch eine amerikanische Gesellschaft weiter vermittelt; sie ist eine vier- wöchentlichc. Die Ausfuhr, es handelt sich nur um pflanzliche Produkte, betrug im Jahre 1906: 3026 294 Mk. Die Einfuhr betrug im selben Jahre 2 888 623 Mk, Eingeführt wurden na­mentlich Verzehrungsgegenstände (977 701 Mk.), Gewebe und Klei­dungsstücke (636 646 Mk.), Holz und Brennmaterial (296 782 Mk.), Bier und sonstige Getränke (136 865 Mk.) usf.

Kiautschou.

Die Handelsbeziehungen Deutschlands zumblumigen Reiche der Mitte" find schon ziemlich alten Datums. Schon zur Zeit Karls VI. unterhielten die Schiffe derOstender Kompanie" eine Reihe von Jahren hindurch einen regen Verkehr mit China, um besonders Seide und Porzellan*), diese begehrtesten Handelsgüter Ostasiens, nach Deutschland zu importieren. Friedrich der Große und die Emdener Reeder waren die Nachfolger in diesen von dem Habsburger 1731 derpragmatischen" Politik geopferten Bezie­hungen. Allein der damals bereits alles beherrschende Einfluß der Engländer in den ostasiatischen Gewässern zog dem aussichtsvollen Handel des Preußenkönigs bald enge Grenzen. Erst die Reorgani­sation der deutschen Handelsmarine (1822) ließ auch den Verkehr mit China von neuem aufleben, und durch die bekannteostasiatische Expedition" des Grafen Friedrich Albrecht zu Eulenburg kam im Jahre 1861 zwischen den Staaten des deutschen Zollgebiets und China ein förmlicher Handelsvertrag zustande, der die Grundlage zur gedeihlichen Weiterentwicklung unsres Handelsverkehrs mit dem Reiche der Mitte bildete. Während jedoch andre europäische Groß­mächte längst in Ostasien wertvolle Stützpunkte besaßen England z. B. in Hongkong und Singapore, Frankreich in Cochinchina und Tongking, Rußland in Wladiwostock usf., blieb dem deutschen Handel solch bedeutsame Operationsbasis zunächst noch versagt. Auf Anregung des Geographen Ferdinand Freiherrn v. Richthofen wünschte Bismarck bereits 1870 die Bucht von Kiautschou von China zu

*) Wie hoch im Werte damals namentlich das chinesische Porzellan stand, illustriert wohl am besten die Tatsache, daß August der Starke von Sachsen dem Preußenkönige Friedrich Wilhelm I. für ein paar chi­nesische Orangenkübcl eine Kompanie von Riesengrenadieren gab.