Deutsch-Ofkafrika.
Von jeher hat das Rätsel des „dunklen Erdteils" die denkende Menschheit beschäftigt. Schon Herodot und die Alexandriner erzählen von den riesigen Seen im Innern dieses Kontinents, von den ungeheuren Schätzen, von dem fabelhaften Mondgebirge (Kili- mandscharo?), und schon diese alten Gelehrten erörtern die Frage vom Ursprung des Nils, dessen „Geschenk" Ägypten. Immer wieder nahm man die Lösung aller dieser Rätsel in Angriff. Die großen Seefahrernationen des Mittelalters, die Spanier, Portugiesen und Holländer beschäftigen sich damit. Noch heute finden wir in merkwürdigen alten Ruinen hier ihre Spuren. Und fast immer war es der Osten Afrikas, neben dem Norden wohl am frühsten bekannt, von dem aus man sich um die Lösung mühte. Phantastische Karten sind uns aus jenen Tagen überliefert, voll seltsamer Namen: hier (im Lande „Monomotapa") lag' das alte „Ophir" der Bibel, das sich auch in dem Worte „Afir", „Afrika" bergen sollte. Was die Ägypter vom Nil, von den schwarzen Menschen, von Riesen und Zwergen und Ungeheuern fabelten: hier fand man es, weil man mit phantasie- vollen Augen suchte. Und doch, auch diese merkwürdigen, alten Karten bergen ein Körnlein Wahrheit hie und da: vor kurzem zog Peters auf Grund solcher Karten aus, in Rhodesia das Goldland des Altertums zu suchen, und fand in der Tat seltsame Dinge.*) Etwas wirklich „Neues aus Afrika" erfuhr die Welt jedoch erst im Jahre 1855, als der deutsche Missionar Erhardt eine Karte von Ostafrika veröffentlichte, die er auf Grund eigner Reisen und der Erkundigungen bei alten Karawanenführern gezeichnet hatte. Sie erfuhr, daß im Innern ein großer See, der Njansa, liege, von dem aus, wie Erhardt meinte, Nil, Kongo und Sambesi ihren Ursprung nähmen.
Schon 1858 stellten Burton und Speke als erste das Vorhandensein dreier großer Seenbecken fest. Es folgten die Züge
ch Nach Passarges überzeugenden Darlegungen (Globus, Bd. 91. S. 229 f.) wäre diese sogenannte „Simbabye-Kultur" trotz der gegenteiligen Ansicht Raudall-Macivers und v. Luschans nicht afrikanisch, sondern wahrscheinlich sabüisch.
ANuG 98 : Heilborn, deutsche Kolonien. L. Aufl.
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